Lurs freut sich

20.07.2010

Hey Leute. Ich dachte, ich melde mich mal wieder. Immerhin gibt es Neuigkeiten, teils erfreulich, teils unerfreulich. Das gilt für euch natürlich auch, nur umgekehrt.

Fange ich mal mit der erfreulichen Nachricht an. Da haben "Wissenschaftler" einen Artikel geschrieben, darin steht, dass fast die Hälfte aller Viertklässler als leseschwach angesehen werden muss oder mit Leseschwierigkeiten zu kämpfen hat. Ist doch klasse. Zeugt von meiner Potenz! Allerdings, das muss ich dazu sagen, in den meisten anderen Ländern bin ich noch wesentlich erfolgreicher. 

Spannend finde ich auch, wie unterschiedlich meine Erfolge in den einzelnen Bundesländern ausfallen. Da spielt mal wieder die Frage, ob es sich bei mir um eine Krankheit handelt, eine gewisse Rolle: Komisch ist, dass ich in einigen Bundesländern sieben mal so oft anzutreffen bin wie in anderen. Das spricht nicht gerade für eine Vererbungstheorie oder für einen Gendefekt. Denn nach Adam Riese müsste ich dann ja wohl in allen Bundesländern etwa gleich häufig anzutreffen sein.

Und noch komischer finde ich die Statistik, dass ich in "gebildeten und wohlsituierten" Kreisen nur bei jedem 15. Kind diagnostiziert werde, in den gar nicht gut betuchten Kreisen allerdings fast bei jedem zweiten Kind. Mein "genetischer Defekt" kann also am Geldbeutel erkannt werden. Hi hi.

Was ich jetzt aber gar nicht erfreulich finde, leider quasi ein Nebenprodukt meiner Anstrengungen, Kinder vom Lesen abzuhalten, ist: Während jedes zweite leseschwache Kind in den letzten Monaten von Mitschülern geschlagen oder verletzt wurde, geschah dies einem lesekundigen Kind nur halb so oft. Na, mit dieser Nebenwirkung muss ich wohl leben, wo viel Sonne ist, da ist auch viel Schatten. Jedenfalls danke ich an dieser Stelle allen Ministerien, allen Politikern, eben allen Menschen, die mich in meiner aufopferungsvollen Tätigkeit nach Kräften unterstützen. Es lebe die Lese- und Bildungsfreiheit!

Ach ja, wer's nachlesen will - der Artikel heißt "Schülerinnen und Schüler mit Leseproblemen - eine ökosystemische Betrachtungsweise", Valtin R. et al. in: "IGLU 2006 - die Grundschule auf dem Prüfstand" Waxmann-Verlag, Bos, W. et al. (Hrsg). (2010)
Der bezeichnete Artikel bietet auch eine neue Analyse der IGLU-2006-Daten unter der Fragestellung, ob sich "Legastheniker" von anderen Leseschwachen mit unterdurchschnittlicher Intelligenz unterscheiden.