Problem und Training der sogenannten "Simultanerfassung"
Für alle, die sich mit Rechenschwäche beschäftigen
Wer sich als betroffene Eltern oder als Therapeuten mit Rechenschwäche befasst, dem wird der Begriff der Simultanerfassung geläufig sein.
Unter Simultanerfassung versteht man das spontane Erkennen einer kleinen Menge von Zeichen bis zu der Menge von vier. Diese Simultanerfassung ist eine wichtige Voraussetzung für das Entstehen des Mengenbegriffs und hat die Bedeutung eines "Startermechanismus'" für die Entwicklung der Rechenfertigkeit.
Rechenschwache Kinder können nun häufig diese kleine Menge bis vier nicht spontan erfassen, sondern zählen ab – ein zeitraubendes Unterfangen.
Kann man die Simultanerfassung üben oder spielerisch verbessern?
Hierzu gibt es einige Hinweise und Empfehlungen:
Das Freiburger Blicklabor hat z.B. einen Test der Simultanerfassung entwickelt: Man bekommt eine bestimmte Anzahl (1 bis 9) von kleinen Kreisen für kurze Zeit zu sehen und muss dann durch Drücken der betreffenden Zahlentaste anzeigen, wie viele man gesehen hat. Gemessen werden die Prozentzahlen richtiger Antworten und deren Reaktionszeiten. Hier zeigt sich, dass – in Abhängigkeit vom Alter – bis zu 80 % der rechenschwachen Kinder länger brauchen und weniger richtig erkennen.
Durch ein Training mit einem kleinen Computer konnten sich nach drei Wochen täglichen Übens 70 % der Kinder sowohl in den Reaktionszeiten als auch in der Anzahl richtiger Antworten verbessern.
Eine Alternative zu diesem Training der Simultanerfassung bietet der "Wenzelwürfel", benannt nach seinem Erfinder Dietmar Wenzel. Jede Seite dieses Spezialwürfels verfügt über eine Vertiefung, in die wiederum jeweils 16 kleine Mulden eingelassen sind. Je nach Augenzahl befinden sich hinter Plexiglas Stahlkügelchen (Menge 1 bis 6), die beim Würfeln Platz in einer Mulde finden. Es entsteht jedes Mal ein anderes Bild der gleichen Menge. So lernen die Kinder die zufällig entstandene Anordnung von Kugeln simultan zu erfassen.
Weitere Informationen und Spielideen dazu gibt es bei Dietmar Wenzel.
Selbstverständlich sollten nicht alle Kinder das Gleiche zur gleichen Zeit gleich gut können müssen – jedes Kind hat sein Lerntempo und seine Lernwege. Wenn man allerdings erkennt, dass ein Kind sich insgesamt mit dem Rechnen und der Zahlenvorstellung schwer tut, kann es sinnvoll sein, das Kind bei der Simultanerfassung durch ein spielerisches Training zu unterstützen.




