Schule: Mädchen im Vormarsch – Jungen in der Krise
Das sogenannte "schwache" Geschlecht hat, was schulische Leistungen und Erfolge betrifft, die "starken" Jungs schon längst abgehängt und die Vorreiterrolle übernommen. Daraus ist ein bildungspolitisches Problem und eine bildungspolitische Aufgabe geworden.
Zahlen zur "boys crisis"
Untersuchungen in der Grundschule haben ergeben, dass die Jungs die Mädchen in allen "negativen" Verhaltensweisen übertreffen: Leistungsstörungen, Unkonzentriertheit, motorische Unruhe, Ungenauigkeit, Ungehorsam, aggressives Verhalten, Fordern von Aufmerksamkeit und mangelnde Leistungsmotivation.
Bereits bei der Einschulung sind die Mädchen überlegen: 61 % der Mädchen werden vorzeitig eingeschult, 62 % der Jungen später. Auch in der Schlüsselkompetenz Lesen geraten die Jungen ins Hintertreffen, ihr Vorsprung in den mathematischen und naturwissenschaftlichen Fächern schwindet, und – last not least – dominieren die Mädchen auch bei höheren Schulabschlüssen.
In der Fachanhörung des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV) am 11. Januar beschäftigte sich Dr. Clemens M. Schlegel von der LMU München mit den Fakten und Hintergründen der sogenannten "boys crisis", versuchte Gründe dafür zu finden und bot nicht zuletzt auch Lösungswege an.
Ursachen und Hintergründe
Hintergründe und Begründungen für die "boys crisis" sieht Dr. Schlegel zum einen in der Aufarbeitung der jahrtausendealten Unterdrückung der Frauen. Immer noch sei ein wichtiges politisches Thema die Gleichstellung der Frauen. Das Bewusstsein, wie dringend nötig eine effektive Jungenförderung wäre, sei in der Politik noch nicht oder kaum vorhanden.
Auch die Genderforschung und Frauenbewegung mit ihrem Postulat, dass Geschlecht nur "sozial konstruiert" sei, trügen dazu bei. Allerdings sei das Dogma von der biologischen Gleichheit durch Untersuchungen gefallen: Bereits im Säuglingsalter seien Jungs lebhafter, forscher, weniger ausgeglichen, um nur einige Unterschiede zu den Mädchen zu nennen.
Weiter führte Schlegel den höheren Medienkonsum der Jungen als Ursache an sowie die Tatsache, dass die Grundschule ein "weibliches Wohlfühlbiotop" geworden sei: 1984 gab es an den Grundschulen 43,3 % männliche Lehrkräfte, 2006 nur noch 11%. Verhaltens- und Arbeitsweisen orientieren sich somit eher an weiblichen Bedürfnissen und Fähigkeiten.
Lösungsansätze
Folgende Lösungsansätze wurden postuliert:
Kontrolle des Medienkonsums
- durch Ganztagesangebote
- spezielle Freizeitangebote für Jungen
- Stärkung der Medienerziehung
- Alternativangebot Lesen
- Elternaufklärung
weg von der "weiblichen" Schule
- Männer in die Grundschule – Männerquote für Kindergarten und Grundschule
- Junge Männer als Schulbegleiter
- Boys Day
- Spezielle Jungenprojekte
Buchempfehlungen und Jungen-Bücherkisten für die Schule
Auf den Seiten des Bayerische Leherinnen- und Lehrerverbandes finden Sie aktuell konkrete Tipps zu adäquatem Lesestoff für Jungen.
Daneben schickt der BLLV jetzt Jungen-Bücherkisten auf die Reise. Die Kisten werden auf Anforderung an alle bayerischen Schulen bis zur Sekundarstufe verschickt und sind mit rund 50 jungenspezifischen Büchern bestückt. Es gibt zwei verschiedene Kisten für Jungs ab 7 Jahren und Jungs ab 11 Jahren.
Und hier können die Kisten von Schulen direkt angefordert werden.
Also Jungs, gehen wir's an!




