LegaKids als Baustein in der Legasthenie-und Dyskalkulietherapie

15.11.2011

Eine Anregung für Therapeuten und Lehrkräfte, aber auch für Eltern
Ideen und Erfahrungen von

O.Sans-Fuhrmann, Psychologische Psychotherapeutin und Kinder-und Jugendlichenpsychotherapeutin

1. Lurs als Eisbrecher

Bei Therapiebeginn sind die Kinder oft bedrückt und abweisend. Sie ahnen nichts Gutes, haben Angst vor der Therapie. Vielleicht ist das ja noch schlimmer als Schule? Sie sind misstrauisch, da sie schon viele schlechte Erfahrungen mit dem Lernen gemacht haben. Sie fühlen sich schlecht, schämen sich oder fühlen sich sogar schuldig.
Viele Kinder sind dann dankbar, wenn sie einen Einstieg über ein Computerspiel (unter mehreren Einstiegsangeboten) auswählen können. LegaKids ist entlastend, da für die Probleme der Kinder ein Monster verantwortlich gemacht wird. Es wird ein Weg gezeigt, wie das Monster besiegt werden kann, die Kinder können gegen das Monster kämpfen, sich dabei stark fühlen und Fortschritte an ihrem Punktestand unmittelbar erkennen.

2. Kleine Pause mit Lurs zur Belohnung und Entspannung

Nach anstrengenden Übungen bietet sich ein Spielchen gegen Lurs als Belohnung an. Das entspannt und bringt Spaß. Die Kinder lernen so ganz nebenbei. Das Schöne ist, dass die Kinder bei LegaKids etwas gewinnen können, so dass sie für ihre Anstrengungen nicht nur durch das Spielen belohnt werden. Das ist für diese Kinder nicht selbstverständlich sondern ungewöhnlich, meist strengen sie sich an und schreiben trotzdem eine schlechte Note und bekommen vermittelt, dass sie nicht gut genug seien. Hier ist LegaKids ein großer Lichtblick. Auch die Eltern sind stolz auf ihr Kind, wenn es für seine Leistungen einen Gewinn erhält.

3. Plüschtiere als Konzentrationshilfe

Manchmal bringen die Kinder ihre eigenen Plüschtiere (oft den selbstgewonnenen Lurs) mit zur Therapie, dann freut sich mein Plüschlurs -  aber dann müssen die Tiere ganz leise sein und sich gut benehmen, damit sie das Kind und mich nicht bei der Therapie stören. Klar, dass der Lurs uns manchmal vom Lernen abbringen will. Er versucht uns abzulenken und die Konzentration zu stören – aber die Therapiekinder und ich, wir sind natürlich stärker und arbeiten nur noch konzentrierter. Auf diese Weise üben die Kinder, sich nicht ablenken zu lassen. Wenn die Tiere brav waren, dürfen sie auch mal in LegaKids reinschauen.

4. Lurs als „innerer Schweinehund“

Einen sinnvollen Umgang mit Schwächen üben
Lurs verkörpert die Schwierigkeiten und Schwächen der Kinder.
Jetzt muss ich nicht über die Schwächen der Kinder sprechen, denn sie sind personifiziert in Lurs. Wir sprechen also über Lurs, was er alles nicht kapiert und falsch macht,  dabei setzt sich das Kind mit seinen eigenen Schwächen auseinander. Lurs ist ja mit all seinen Schwächen ( z.B. ein schlechter Verlierer ist er auch) so liebenswert. Die Kinder mögen ihn. Das ermöglicht eine Versöhnung mit den eigenen Schwächen. Die Kinder können so ihre Schwächen besser annehmen, ohne sie gut zu heißen und indem Lurs besiegt werden kann, wird das Kind angespornt, strengt sich an, fühlt sich stark und kämpferisch statt hilflos.
Da ich zum Dialog mit Lurs einen Plüschlurs neben dem PC sitzen habe, darf Lurs auch schon mal auf dem Schoß sitzen und gestreichelt werden. Allerdings kommt es vor, dass das Plüschtier derart verprügelt wird, dass ich einschreite und erkläre, dass egal was Lurs Schlimmes gemacht haben mag, er nicht geschlagen werden darf.  Gegen Prügel nehme ich ihn immer in Schutz und nehme das auch zum Anlass mit den Eltern über Bestrafungen und deren Auswirkungen zu sprechen.

5. Brieffreundschaft mit Lurs

Sehr zu empfehlen ist es, die Kinder an Lurs schreiben zu lassen. Das müssen Sie ja tun, um ihren Gewinn anzufordern. So nebenbei üben sie das Schreiben, probieren Formulierungen aus, versuchen zu reimen – denn Lurs liebt Gedichte –
so ein Gedicht kann vielleicht sogar die Gewinnchancen erhöhen. Wieder ganz nebenbei macht die Textverarbeitung Spaß, Fehler können leicht verbessert werden. Zwar wird Lurs im Brief auch schon mal beschimpft – aber zum Glück kann er sich ganz gut wehren und er schreibt immer zurück. Er ist auch ein gutes Vorbild für sinnvolles Verhalten bei Beleidigungen, indem er seine Gefühle ausdrückt und auch schon mal „grünschleimige Grüße“ sendet. Das ist für die Kinder eine besondere Freude, da sie sonst kaum eine Mail bekommen. Auch hier werden sie im Gegensatz zu ihren Alltagserfahrungen für ihre Anstrengungen belohnt.

6. Abstraktes konkret erfahrbar machen und mit allen Sinnen lernen

Wer mit der Reflektormaschine Lurs sichtbar macht oder Dosen abwirft, der lernt mit allen Sinnen. Die Hand an der Maus, die Augen auf das Ziel gerichtet, trainiert das Kind die Hand-Augen Koordination und wenn der ertappte Lurs so schön quietscht, dann sind die Kinder glücklich. Bei den Rechenaufgaben sind die Minusaufgaben sehr unbeliebt und werden oft nicht verstanden. Beim Dosenwerfen ist schon manchem Kind ein Licht aufgegangen und es konnte mit „Minus“ etwas anfangen.
Man kann die Kinder auch von 9 Gummibärchen 3 wegessen lassen, um den Sinn von „Minus“ deutlich zu machen. Das hat jedoch den Nachteil eines erheblichen Süßwarenkonsums. Es ist kein Wunder, dass die Kinder dann plötzlich Aufgaben im Hunderterbereich rechnen wollen…

7.  Bestenliste als Messlatte. Sich mit anderen Kindern vergleichen und Fortschritte erleben.

Die Therapien sind in der Regel Einzeltherapien. Da bietet sich LegaKids an, um die Leistungen anderer Kinder einzubeziehen. Trägt ein Kind seine Leistung in die Bestenliste ein, so sieht es, dass es sowohl Kinder gibt, die mehr Punkte haben, als auch Kinder mit erheblich geringerer Punktzahl. Das Schöne ist, dass man sich beim nächsten Spiel direkt wieder eintragen kann. So sieht man z.B., dass man sich von Platz 300 auf Platz 250 vorgearbeitet hat.  So lernt das Kind: Dranbleiben und üben lohnt sich. Bei den Bestenlisten kann man auch erkennen, dass die besten Kinder sehr oft gespielt haben, da ihre Namen oft auftauchen. Manche Kinder sind beim zweiten Versuch schlechter, weil sie sich entmutigen liesen. Das ist ein wichtiger Hinweis für die Therapie. Für diese Kinder sind Mutmacher sehr wichtig. Wir erarbeiten dann „Dopingmittel“, ermutigende Sätze zum Beispiel oder eine Limo, die wie Zaubertrank wirken kann. Auch eine kleine Pause hat schon Wunder gewirkt. Jedes Kind kann seinen eigenen Mutmacher finden. Die Wirksamkeit lässt sich ja anhand der Bestenliste überprüfen. Natürlich kommt auch wieder der Plüschlurs ins Spiel. Der ist ja dem Kind für die schlechtere Leistung beim zweiten Versuch so dankbar und er würde es gerne sehen, wenn das Kind durch mehr üben immer schlechter würde. Da regt sich Widerstand. Aber manchmal tun wir dem Lurs den Gefallen und versuchen eine ganz schlechte Leistung absichtlich zu erbringen. Das Kind hat Spaß dabei und verliert die leistungsmindernde Anspannung. Zum Ärger von Lurs werden dann bessere Leistungen möglich. Wichtig ist, dass das Kind lernt, dass es seine Leistung beeinflussen kann und wie verschiedene Strategien wirken.
Durch die Bestenliste kann das Kind sich aber nicht nur mit anderen Kindern messen, sondern kann auch mit den anderen Kindern den Lurs als gemeinsamen Gegner bekämpfen.

8. Eltern für LegaKids gewinnen

In Beratungen weise ich die Eltern immer auf Möglichkeiten hin, wie sie zwischen den Therapiestunden mit den Kindern üben können. Es gibt viele Spielmöglichkeiten, die die Eltern-Kind Beziehung stärken und die Kinder fördern. Würfelspiele, Memory, Brettspiele u.s.w. Auch LegaKids können die Eltern mit den Kindern spielen oder die Kinder allein (z.B.: zur Belohnung) spielen lassen. Bei LegaKids finden die Eltern auch interessante Informationen und sie können mit den Kindern über die Texte der Hörspiele ins Gespräch kommen.