Lurs-Kommentar

30.09.2009

Ich finde es einfach fantastisch. Schon wieder wurde ich entdeckt und enttarnt. Von wem? Na von den Forschern.  Und wo wurde ich entdeckt? Na, in den Genen der Kinder natürlich.

Schon 1999 hieß es:
"Genetische Ursache der Legasthenie entdeckt!" Das defekte Gen, in dem ich angeblich stecke, bekam die Bezeichnung DYX3 und befindet sich auf dem  zweiten der 23 Chromosomen. Die Forscher wollten das Gen klonen, um mich weiter einzukreisen. Mich, das Lese- und Rechtschreibmonster. Ist aber nichts draus geworden.

Doch dann wurde es ernst. Im Jahr 2005 entdeckte man mich erneut. Diese Mal auf dem Gen DCDC2 und zwar auf den Chromosomen 15 und 6. Hupps, das war schon ganz schön nah dran an mir. Bin aber nochmal davon gekommen. Dennoch, das Nationale Genforschungsnetzt (NGFN) frohlockte: "Genetische Ursache für Legasthenie entdeckt!"

Jetzt kam das Jahr 2006 und ich wurde schon wieder entdeckt. Unter dem Titel "Genetische Ursache für Legasthenie entdeckt" wurde ich eingekreist, erstaunlicherweise wieder als das Gen DCDC2 auf dem Chromosom 6. Nähere Hinweise fand man aber nicht. Und das NGFN teilte mit, dass wohl noch andere Gene für die "Erkrankung" Legasthenie eine Rolle spielten. Da habe ich Glück gehabt. Sicher würde man sofort ein Killermedikament entwickeln, um mich zu vernichten.

Schließlich kam der März 2007! Durch genomweite Kopplungsuntersuchungen wurden 9 Kandidatenregionen (DYXC1-9) identifiziert, 2 davon, 6p22 und 15q21, wiederholt repliziert! Jetzt wurde ich in 4 (! ) Kandidatengenen entdeckt, in DCDC2, KIAA0319, DYX1C1 und ROBO1. Wie mir gruselte, wie mir gruselte. Und fast zur gleichen Zeit entdeckte man mich auf den Chromosomen 1, 2, 6, 7, 11, 15 und 18. Ehrlich, ich bewundere mich selbst. Meine Fähigkeiten überall und nirgends zu sein überraschen mich immer wieder aufs Neue.
Immerhin konnte uns ein Wissenschaftler jetzt mitteilen: "Wenn man diese Prozesse wirklich begreift, die im Gehirn dazu führen, dass Sprache weniger gut oder exakt verarbeitet wird, könnte man von der biologischen Ursache aus möglicherweise therapeutisch eingreifen." Derselbe Wissenschaftler, mich wundert es nicht, ist derzeit bei einer großen Firma in der Medikamentenentwicklung tätig. Dieser Mann will mir an den Kragen.

Und prompt kommt am 29.09.2009 von diesem und anderen Wissenschaftlern die Meldung:
"Erstmals haben wir ein Gen gefunden, das die Sprachentwicklung bei Kindern mit Legasthenie beeinflusst." Na dann wünsche ich den Forschern mal viel Erfolg auf der Suche nach den "biologischen Markern" und der entsprechenden "medizinischen Therapie" gegen mich, das unvergleichliche Lese- und Rechtschreibmonster.

Der wissenschaftliche Fortschritt ist - wie man sieht - unaufhaltsam. Hihihihi ...