Leselust wecken durch Neugier und Kreativität

27.06.2011

Lesekompetenz – die Schlüsselqualifikation Nr. 1

Die Lebenssituation der Kinder, ihr Freizeitverhalten und ihre Mediennutzung befinden sich in einem Wandel. Kommunikative Kompetenzen werden immer wichtiger. In unserer Wissens- und Informationsgesellschaft ist die Lesekompetenz, d. h. die Aufnahme und kritische Verarbeitung schriftlich fixierter, sprachlicher Informationen, eine wichtige Schlüsselqualifikation, die die Teilnahme am gesellschaftlichen und kulturellen Leben ermöglicht.

Junge mit Fernglas

Was bedeutet überhaupt Lesekompetenz?

Lesekompetenz bedeutet mehr als nur "lesen können". Lesekompetenz ist die Fähigkeit, unterschiedliche Texte in ihren Aussagen, Absichten und formalen Strukturen zu verstehen, sie in einen größeren Zusammenhang einzuordnen und für verschiedene Zwecke sachgerecht zu nutzen. Dementsprechend hilft Lesekompetenz nicht nur dabei, persönliche Ziele zu erreichen, sondern sie stellt auch eine Bedingung für die Weiterentwicklung jeglicher Art selbstständigen Lernens dar und bildet somit eine wichtige Voraussetzung für die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben. (vgl. PISA 2000, hrsg. v. Cordula Artelt u.a., Berlin 2001, S.11)

Moderne Leseförderung

  • Kinder sind für alles zu begeistern, es muss ihnen nur in kindgerechter und sinnvoller Weise dargeboten werden. Drill lehnen Kinder ab, da sie keinerlei Sinn darin sehen. Durch spannende und lebensnahe Lesetexte werden die Kinder angeregt, sich mit dem Inhalt auseinanderzusetzen.
  • Viele Texte, die Kindern angeboten werden, sind vollgestopft mit einem Wortschatz, den sie nicht verstehen können, weil er nicht aus ihrer Wissensumgebung stammt. Enthält ein Text dagegen nur wenige unbekannte Wörter, sind die Kinder gerne bereit, sich damit zu beschäftigen.
  • Moderne Leseförderung holt Kinder deshalb dort ab, wo sie sich gerade befinden und erreicht damit alle Kinder: Jungen wie Mädchen, Kinder, die actionreiche Texte mögen sowie Kinder, die es ruhiger mögen. Die Leseförderung findet dabei nicht auf nur einer Ebene statt. Auch lieben Kinder Rätsel, knifflige Aufgaben oder das Aufspüren von Fehlern. Die Fantasie spielen zu lassen und in andere Rollen zu schlüpfen entspricht einem Grundbedürfnis von Kindern. 
  • Werden diese Komponenten zudem mit Texten aus der eigenen Lebenswirklichkeit und kreativen Erarbeitungsmethoden kombiniert, fühlen sich die Kinder emotional angesprochen: ihre Neugier ist geweckt, Interesse entsteht, die Aufmerksamkeit ist gesichert. 

Mehr Lust am Lesen

Steigern Sie das Interesse Ihrer Kinder am Lesen und Bearbeiten von Texten. Die folgenden Tipps und Ideen sprechen Kinder an und helfen ihnen, in die Welt des Lesens einzutauchen.

Neugier wecken

Eltern und Lehrer: Wecken Sie Neugierde. Bringen Sie z. B. etwas mit nach Hause oder in den Unterricht, das mit einem Lesetext zu tun hat und lassen "es" zunächst in einer für gut sichtbaren Schachtel, anstatt es sofort zu präsentieren.

Ansprechende Themen auswählen

Eltern und Lehrer: Richten Sie Ihre Themen an der Erlebniswelt der Kinder aus. Zwei wichtige Themenkreise für Kinder sind z. B. Freundschaften und Tiere.

Für Abwechslung sorgen

Eltern und Lehrer: Das Lösen von Rätseln fördert die Entwicklung der Lesekompetenz auf spielerische Art. Durch möglichst breit gefächerte Aufträge wie z. B. Fehler suchen, Buchstaben (heraus)finden, Reihenfolgen bestimmen, Widersprüche entdecken etc. werden die unterschiedlichen Lerntypen unter Ihren Schülerinnen und Schülern angesprochen.

An ungewöhnlichen Orten lernen

Veranstalten Sie doch mal eine Lesenacht. Viele Bibliotheken stellen hierfür gerne sowohl Räumlichkeiten als auch Lesematerial zur Verfügung. Die ungewöhnliche Tageszeit kombiniert mit der Örtlichkeit schafft eine besondere Atmosphäre und lässt das Leseerlebnis zum Abenteuer werden.

Texte zum Anfassen

Eltern und Lehrer: Stellen Sie mit den Kindern eine Lesekiste zusammen. Stellen Sie dazu einen Schuhkarton im Kinderzimmer / Klassenraum auf und lassen Sie die Kinder Gegenstände sammeln, die zu dem im Unterricht aktuell bearbeiteten Text oder Buch passen.

Textverarbeitung auf kreativer Ebene

Eltern und Lehrer: Lassen Sie die Kinder eine Geschichte, eine Szene oder einen markanten Gegenstand daraus zeichnen, basteln oder nachstellen. So verarbeiten die Kinder den Text auf nichtsprachlicher Ebene.
 
(Quellen: Lese- und Lernprofi von Christa Koppensteiner und Christl Meixner, Die Textspione von Sabine Stehr und Sylvia Nitsche, Mildenberger Verlag)