Was hat der Verteidigungsminister Thomas de Maizière mit Lesen und Schreiben zu tun?
"Herzlichen Glückwunsch, Frau Büchner und Herr Kortländer, für die tolle Internetseite, mit der Sie verzweifelten Kindern sowie ratlosen Eltern und Lehrern sehr helfen." Das hat uns 2007 der damalige Kanzleramtsminister Thomas de Maizière geschrieben.
Und verteidigt werden muss das Recht der Menschen, Lesen und Schreiben optimal beigebracht zu bekommen.
Dass dies nicht der Fall ist, und viel mehr Menschen als bislang geglaubt nur unzureichend in den Schriftsprachkompetenzen unterrichtet werden, weist eine Studie nun nach (leo. – Level-One Studie Literalität von Erwachsenen, 2009):
Neue Zahlen: 7,5 Millionen funktionale Analphabeten in Deutschland
"Funktionaler Analphabetismus betrifft kumuliert mehr als vierzehn Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung (Lage auf Alpha-Level 1-3, 18-64 Jahre). Das entspricht einer Größenordnung von 7,5 Millionen Funktionalen Analphabet/inn/en in Deutschland.
Davon wird bei Unterschreiten der Textebene gesprochen, d.h., dass eine Person zwar einzelne Sätze lesen oder schreiben kann, nicht jedoch zusammenhängende – auch kürzere – Texte. Betroffene Personen sind aufgrund ihrer begrenzten schriftsprachlichen Kompetenzen nicht in der Lage, am gesellschaftlichen Leben in angemessener Form teilzuhaben. So misslingt etwa auch bei einfachen Beschäftigungen das Lesen schriftlicher Arbeitsanweisungen."
Enormes individuelles Leid - enorme Folgekosten
Auf die finanziellen Folgekosten haben wir bereits dank einer Studie der Bertelsmann-Stiftung hinweisen können:
"Würde das Bildungsdefizit in den Basiskompetenzen Lesen, Schreiben, Rechnen um 90% verringert, entstünde folgende Entlastung
- bis zum Jahr 2030 von 69 Milliarden € (das sind mehr als unsere heutigen Bildungsausgaben)
- bis zum Jahr 2043 311 Milliarden (das ist mehr als der heutige Bundeshaushalt)
- bis zumJahr 2074 1.746 Milliarden (das entspricht der Höhe der heutigen Staatsverschuldung
- bis 2090 2.808 Milliarden (das entspricht dem 28fachen unserer Konjunkturpakete)"
Allerdings ging die Studie von einer wesentlich geringeren Anzahl Lese- und Schreib-Unkundiger aus.
Konsequenzen und Forderungen
Der LegaKids Kooperationspartner, der Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V. (BVAG) fordert jetzt rasches Handeln. Geschäftsführer Peter Hubertus kommentiert die neuen Zahlen: "Erstmalig in der Geschichte der Bundesrepublik haben wir verlässliche Angaben. Die hohe Zahl von 7,5 Millionen Betroffenen ist alarmierend und macht dringenden Handlungsbedarf deutlich. Wir erwarten, dass die bildungspolitischen Entscheider in Bund, Ländern und Kommunen nun schnell reagieren."
LegaKids sieht einen großen Handlungsbedarf vor allem in der Ausbildung der Grundschullehrkräfte. Die Forderung, die LegaKids zusammen mit vielen Institutionen im Rahmen der Initiative "Recht auf Lesen" an die Länder stellt, muss erfüllt werden:
Die Ausbildung zur Didaktik des Schriftspracherwerbs und zu möglichen Problemen in dem Prozess des Schriftspracherwerbs muss für alle Grundschullehrkräfte verpflichtend sein.
Die Studie LEO wurde von der Bundesministerin Annette Schavan in Auftrag gegeben. Auch von ihr haben wir ein paar Zeilen:
"... Die Förderung von Lesemotivation und -kompetenz ist ein wichtiges Anliegen auch meines Hauses. ... Ihrer Initiative, Lese-Rechtschreibschwächen frühzeitig zu erkennen und so damit umzugehen, dass die kindliche Begeisterung für das Lesen und Schreiben geweckt und gestärkt werden kann, wünsche ich deshalb viel Erfolg."
Für diese Ziele wird sich LegaKids auch in Zukunft einsetzen.



