FAQ - Häufig gestellte Fragen

Mehrere Jahre lang hat LegaKids ein moderiertes Forum zum Austausch zwischen Betroffenen, Lehrkräften und Eltern begleitet. Dabei wurden so viele wichtige Fragen gestellt, so viele gute und fundierte Anworten gegeben, dass daraus nun ein kompakter Überblick über das Spektrum "LRS, Legasthenie, Lernschwierigkeiten" werden kann.

Nach und nach werden wir die häufig gestellten Fragen (FAQ) auf LegaKids möglichst umfassend beantworten. Gerne beantworten wir auch Ihre Fragen. Bitte senden Sie diese an info@legakids.net .

Was bedeutet Legasthenie? Was ist LRS? Oder Dyslexie?

LegaKids sieht Lese-Rechtschreibprobleme von Kindern und Jugendlichen zuallererst als eine Variation von Lernwegen bzw. als Variation von Begabungsprofilen. D.h. manche Kinder tun sich mit den Buchstaben schwer, so wie andere Kinder nicht sehr sportlich sind oder musikalisch nicht so stark begabt. Allerdings haben die Kinder mit einer geringeren Begabung für den Umgang mit Buchstaben in der Schule wesentlich größere Schwierigkeiten als etwa ein unmusikalisches Kind, da die Schriftsprache für die meisten Fächer von zentraler Bedeutung ist.

Im Bereich der Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben gibt es ein regelrechtes Begriffswirrwarr: Legasthenie, LRS, Lese-Rechtschreibstörung, Lese-Rechtschreibschwäche, Dyslexie, isolierte Rechtschreibstörung, isolierte Lesestörung, Teilleistungsstörung, Teilleistungsschwächen, Analphabetismus uvm.

All diese Begriffe sind nicht wirklich trennscharf, sie werden häufig gleichbedeutend gebraucht. Teilweise wird dagegen eine klare Unterscheidung gefordert z.B. von "Legasthenie" (im Sinne einer genetisch bedingten "Störung" oder "Behinderung")  und LRS (im Sinne einer "vorübergehenden Schwäche"). Das Problem dieser Unterscheidung ist, dass die übliche Diagnostik nur eine "Momentaufnahme" der Fähigkeiten eines Kindes darstellt und ein Kind durchaus innerhalb kürzester Zeit einmal die Diagnose "Legasthenie" und ein andermal die Diagnose "Leseschwäche" oder "Rechtschreibschwäche" bekommen kann. Aus dieser Diagnose leiten sich dann weitreichende Folgen für den schulischen Umgang mit dem Kind und für eine mögliche außerschulische Förderung ab.

Gemeinsam ist all den oben genannten Begriffen, das sie die Ursache für die Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben Lernen im Kind suchen, d.h. das Kind hat eine Störung, eine Schwäche oder Beeinträchtigung.

Die Definition der Weltgesundheitsorganisation gründet auf der Unterscheidung zwischen Störung und Schwäche:
Die Lese-Rechtschreibstörung (sog. Legasthenie) ist eine weltweit von der WHO unter der Ziffer F81.0 beschriebene "Entwicklungsbeeinträchtigung schulischer Fertigkeiten." Die gemäß den Richtlinien des ICD-10 formulierten Kriterien für das Vorliegen einer Legasthenie sind dann erfüllt, wenn die Lese-Rechtschreibleistungen bedeutsam von den kognitiven Leistungsfähigkeiten abweichen (also vom Gesamt-IQ). Dies bedeutet, dass die Legasthenie dann diagnostiziert wird, wenn ein Kind nicht in der Lage ist, Lese- und Rechtschreibleistungen auf einem Niveau zu erzielen, das seiner sonstigen intellektuellen Begabung entspricht.

Nach Meinung vieler Wissenschaftler ist eine Unterscheidung von Leseschwäche und "Legasthenie" weder sinnvoll noch wissenschaftlich möglich. (Siehe hierzu die Artikel in LRS und Wissenschaft.)

Woran liegt es, dass mein Kind nicht so gut lesen, schreiben oder rechnen lernt?

Bei der Entstehung von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten spielen sehr unterschiedliche Ursachen eine Rolle:

  • genetische Voraussetzungen,
  • Vorläuferfähigkeiten wie die phonologische Bewusstheit und die Benennungsgeschwindigkeit,
  • die Sprachentwicklung eines Kindes,
  • die Hörverarbeitung,
  • die Sehverarbeitung,
  • die Aufmerksamkeit,
  • aber auch soziale Komponenten, wie die soziale Rolle eines Kindes in der Schule und in der Familie,
  • der schulische Unterricht,
  • die mehr oder weniger anregende Lernumgebung zu Hause u.v.m.

Wichtig ist es, bei jedem Kind individuell herauszufinden, welche Faktoren bei seinen Schwierigkeiten eine Rolle spielen und darauf eine entsprechende Unterstützung für das Kind bzw. die Familie oder die schulische Umgebung aufzubauen. Eine pädagogisch-psychologische Abklärung - wo liegen die Schwächen, wo die Stärken, wie kann ich Stärken einsetzen, um Schwächen zu kompensieren - ist notwendig, um das Kind zu unterstützen, ohne es zu stigmatisieren.

Ist Legasthenie eine Krankheit? Oder Behinderung? Oder ist die Familie bzw. die Schule Schuld?

Zunächst: Lernprobleme eines Kindes sind keine "Schuldfrage". 

Für das Zustandekommen einer Legasthenie oder LRS spielen immer verschiedene Faktoren eine Rolle. Eine Krankheit oder Behinderung ist die Legasthenie oder LRS jedenfalls nicht. 

Die Lernprobleme können letztlich weder aus einer rein medizinischen Sichtweise noch ausschließlich aus einer psychologischen oder pädagogischen oder soziologischen Perspektive interpretiert werden. Wir denken, dass bei dem derzeitigen wissenschaftlichen Stand eine Zuordnung in eines dieser wissenschaftlichen Felder nicht sinnvoll und daher kontraproduktiv ist. Die Aussage "Es gibt doch überhaupt keine Legasthenie" ist nach unserer Auffassung ebenso falsch, wie legasthene Kinder, als kranke Kinder einzustufen.

Wichtig ist, dass auch Kinder mit ausgeprägten Schwierigkeiten im Lesen und/oder Schreiben von einer individuellen Förderung profitieren und ihre Fähigkeiten verbessern können. Und man kann sie darin unterstützen, trotz ihrer Probleme auf ihre sonstigen Stärken und Fähigkeiten zurückzugreifen und ihr Potential weiterzuentwickeln.

In diesem Bereich gibt es eine nun schon Jahrzehnte währende Diskussion. Einen Beitrag von LegaKids dazu finden Sie im Artikel "Legasthenie - eine Krankheit, eine Störung, eine Behinderung?".

Wie entsteht die Diagnose "Legasthenie" bzw. "LRS"?

Kinder mit der Diagnose "Legasthenie" oder "LRS" können teilweise besondere Fördermöglichkeiten und eine rechtliche Sonderstellung in der Schule erhalten. Wie aber kommt die Diagnose zustande? Und wie verlässlich ist sie?

Üblicherweise findet die Diagnostik in einer Kinder- und Jugendpsychiatrischen Praxis statt. Weitere Anlaufstellen sind speziell dafür ausgewiesene psychologische Psychotherapeuten, Schulpsychologische Dienste oder Ambulanzen in einigen Kinderkliniken. Dort wird dann neben einer ausführlichen Befragung ein Intelligenztest, ein Rechtschreibtest und ein Lesetest durchgeführt.

Zu bedenken ist, dass hierfür auf verschiedene Testverfahren zurückgegriffen werden kann, und dass die Tests von unterschiedlicher Qualität, Messgenauigkeit und Aussagekraft sind. Jeder, der selbst schon einen Rechtschreibtest durchgeführt hat, weiß, wie leicht ein solcher Test alleine schon durch die Aussprache der Testwörter zu verändern ist. Ein weiterer das Ergebniss beeinflussender Faktor ist die soziale Interaktion mit dem Kind und die Atmosphäre bei der Testung. Zusätzlich spielen die Erwartungshaltungen der Testleiter selbst eine Rolle (sog. Testleitereffekte). Auch die Tagesform des Kindes oder vorherige Erlebnisse können die Testsituation und das Testergebnis beeinflussen. Die Testergebnisse werfen also allenfalls ein Schlaglicht auf die tatsächlichen Fähigkeiten des Kindes.

Dennoch werden die Testergebnisse als objektive Gradmesser der individuellen Schwierigkeiten behandelt und entscheiden mit darüber, ob ein Kind finanzielle Unterstützung für eine Förderung oder Therapie bzw. einen Nachteilsausgleich in der Schule erhalten kann.

Der Begriff Diagnose klingt medizinisch und dadurch abschreckend, da wir sofort ein "Krankheitsbild" erwarten. Dabei kann der Begriff Diagnose auch wie folgt verstanden werden: Eine Diagnose anhand eines Tests kann dem Therapeuten und dem betroffenen Kind aufzeigen, wo und wie augenblicklich die Stärken und Schwächen aussehen und wo Begabungen beim Kind vorhanden sind. Es handelt sich also lediglich um eine Momentaufnahme, die als Fördergrundlage dienen kann.

Ich vermute bei meinem Kind LRS oder Legasthenie - wie gehe ich vor?

Zunächst ist es sicher wichtig, Ruhe zu bewahren und diese vor allem auch dem Kind zu vermitteln. 

Wenn Ihr Kind sich im Lesen, Schreiben oder Rechnen schwertut, kann dies viele verschiedene Ursachen haben. Oft wird dann automatisch zu einer Legasthenie-Testung geraten. Dieser Schritt sollte dennoch wohlüberlegt sein.

Als erstes sollten Sie das Gespräch mit der Lehrkraft suchen und weitere Schritte mit ihr abklären. Vielleicht hat die Lehrkraft auch gute Ideen und Tipps, wie Sie Ihr Kind zu Hause mit spielerischen Übungen unterstützen können. ?Manchmal stößt man allerdings bei Lehrkräften und Schulen auf Unverständnis. Lassen Sie sich nicht beirren, bleiben sie ruhig. Betonen Sie, dass Sie und die Lehrer das gleiche Ziel haben: Dem Kind optimal zur Seite zu stehen.

Der Schulpsychologe wäre der nächste Anlaufpunkt - er oder sie kann förderdiagnostische Tests durchführen, um Klarheit zu bekommen, was Ihr Kind schon kann und wo es Schwierigkeiten hat und dementsprechende Förderung braucht.

In schwierigeren Situationen können Sie sich an außerschulische Beratungsstellen wenden. 

Eine sogenannte "Legasthenie-Testung", also eine ausführliche Diagnostik erhalten Sie bei Kinder- und Jugendpsychiatern, die meist mit Psychologen zusammenarbeiten. In einigen Bundesländern gelten für die Schule zur Gewährung eines Nachteilsausgleichs nur solche ärztlichen Atteste zusammen mit einer positiven Stellungnahme des Schulpsychologen.

Eine kinder- und jugendpsychiatrische Testung und entsprechende Diagnose kann durchaus eine Erleichterung sein - wahrscheinlich hat sich Ihr Kind schon oft gedacht, dass es besonders dumm ist, weil es nicht so gut lesen, schreiben oder rechnen kann. Auch Sie als Eltern haben möglicherweise ein befreiendes Gefühl - es ist nicht Ihre "Schuld", das Ihr Kind Lernprobleme hat. Von dieser neuen Basis aus kann dann der schulische Nachteilsausgleich eingefordert und eine entsprechende außerschulische Förderung gesucht werden. 

Gleichzeitig kann eine Diagnose auch negative Auswirkungen haben:

  • Sie steht in der Patientenakte Ihres Kindes und hat damit Einfluss auf spätere Versicherungsmöglichkeiten.
  • Neben der Entlastung nicht "Schuld" zu sein, bekommt Ihr Kind möglicherweise den Eindruck, irgendwie krank oder gestört zu sein - also in einer Situation zu sein, an der es selbst nichts ändern kann. Dadurch kann es  die Motivation zu lernen verlieren.
  • Es können durch eine Etikettierung als "Legastheniker" Hänseleien von außen dazukommen, die dann wiederum Energie kosten.

Es ist also zu überlegen, ob die schulische, familiäre und möglicherweise außerschulische Förderung Ihrem Kind auch ohne die Diagnose genug Unterstützung bieten kann, oder ob eine Diagnose notwendig ist, um Ihrem Kind eine angemessene schulische und außerschulische Förderung zu ermöglichen. 

Zudem kann es natürlich sein, dass die Testergebnisse keine LRS oder Legasthenie ergeben, ihr Kind aber dennoch weiter Schwierigkeiten hat. Dies ist oft besonders frustrierend für das Kind, das im Vorfeld gehört hat, wenn es "Legastheniker" sei, könne es ja nichts für die Schwierigkeiten und jetzt den Eindruck hat, wirklich zu dumm oder zu faul, in jedem Fall aber selbst Schuld an den Lernproblemen zu sein.

Das Wichtigste ist also in jedem Fall, Ihrem Kind das sichere Gefühl zu geben, dass es trotz seiner Lernprobleme wertvoll und gut ist und das es die Schwierigkeiten im Lesen, Schreiben oder Rechnen (mit der ein oder anderen Hilfe) ganz bestimmt überwinden wird. 

Bleibt eine LRS oder Legasthenie ein Leben lang oder kann sie behoben werden?

Diese Frage ist nicht einfach mit ja oder nein zu beantworten. Viele Faktoren spielen eine Rolle, wenn es darum geht, ob eine Schwäche im Lesen und Schreiben irgendwann einmal ganz behoben werden kann.
Es kommt sehr darauf an, wann mit einer Förderung und Unterstützung begonnen wird.  Am besten ist es natürlich, wenn diese möglichst früh ansetzt. Vor allem gilt es auch, negative Erlebnisse und Frustrationen gering zu halten.

Ausschlaggebend ist aber auch die Ausgangslage: Welche schriftsprachlichen Erfahrungen hat das Kind gemacht? Welche äußeren Einflüsse haben es beim Erlernen des Lesen und Schreibens behindert? Auf welche Fähigkeitsbereiche des Kindes können wir zurückgreifen, um das Kind zu motivieren? Wie hoch beziehungsweise niedrig ist das Begabungsniveau des Kindes für den Erwerb der Schriftsprache?

Ein weiterer Faktor sind  Fähigkeiten, mit denen man unter Umständen die Schreib- und Leseprobleme über "Umwege" in den Griff bekommen kann. Ist die Ursache zum Beispiel eine Schwäche in der Verarbeitung von Lauten, so kann es helfen, die Wörter über die bildliche Abspeicherung im Gedächtnis schreiben zu lernen.

Im Allgemeinen verbessert sich das Lesen durch eine gezielte, individuelle Förderung auf jeden Fall. Es kann allerdings sein, dass die Leseleistung eines Kindes im Vergleich zu anderen Lesern langsamer bleibt und das Lesen auch anstrengender ist.

Die Verbesserung der Schreibkompetenz ist, wie schon oben erwähnt, stark abhängig von der Ausgangslage. Wenn ich zu Beginn drei bis vier Wortfehler habe und nach einer Förderung dann nur noch einen, dann ist auf jeden Fall eine Verbesserung eingetreten, auch wenn das Wort weiterhin als fehlerhaft gewertet wird. Andererseits können manche Kinder nach einer Förderung weitgehend fehlerfrei schreiben.

Kinder lernen in einer guten Förderung vor allem einen wesentlichen Aspekt: Sie lernen mit einer von außen oder von innen "verursachten" Schwäche richtig umzugehen. Sie lernen, ihre Schwächen ebenso zu akzeptieren wie ihre Stärken. Das heißt auch, dass an beidem gearbeitet werden kann, um die Persönlichkeit kontinuierlich zu festigen und zu entwickeln.

In meiner Familie gibt es mehrere Personen mit LRS. Kann man denn bereits vor der Schule etwas tun, damit Schreiben und Lesen leichter fällt?

Eine der wichtigen Voraussetzungen für den Erwerb des Schreibens und Lesens ist die "phonologische Bewusstheit". Das ist die Fähigkeit, aus einer Fülle von Lauten die richtigen herauszufiltern (z.B. ob ein Wort ein "g" oder ein "k" enthält) und die Wort- und Satzstruktur über den Klang zu erkennen.

Das zweite fürs Schreiben und Lesen notwendige Element ist, dass man in der Lage ist, Wörter nach einiger Übung richtig abzuspeichern. Ob ein Kind sich die Wortbilder – also die Buchstabenfolgen innerhalb von Wörtern – merken kann, fällt erst im Laufe der Grundschulzeit auf. Häufig schreibt es hierbei ein Wort auf einer Seite mehrmals anders falsch. Hier hilft das Üben mit einer Lernkartei (wie sie auch im kostenlosen LegaKids-Programm Horch mal! enthalten ist). Das geht allerdings erst, wenn das Kind schon schreiben kann.

Was nun die phonologische Bewusstheit betrifft, so gibt es bereits Belege, dass ein Training im Kindergartenalter das Lesen- und Schreiben-Lernen erleichtert. Viele Kindergärten bieten vor der Einschulung das Programm "Hören, lauschen, lernen" von Küspert & Schneider an.

Es enthält

  • Lauschübungen: Augen schließen, auf Geräusche achten
  • Reimen: Wörter mit gleichem Klang suchen
  • Sätze und Wörter: für jedes Wort einen Baustein legen
  • Silben: Wörter in ihre Silben zerlegen, Silben klatschen, Silben stampfen
  • Anlaut: gleicher Wortanfang wie bei Maus und Mond
  • Phoneme: erkennen einzelner Laute im Wort

Alle diese Übungen dienen zur Verbesserung der phonologischen Bewusstheit.

Wenn Sie an die Gedichtche und Fingerspiele denken, die auch schon Babies freuen, so wird deren Bedeutung für das spätere Schreiben und Lesen erst so richtig deutlich. Für jedes Alter gibt es entsprechende Verse. Besonders gut ist es, wenn diese Verse rhythmisch untermalt werden (wie z.B. bei "Hoppe, hoppe, Reiter").

Fallen Ihnen Lieder oder Verse ein, die Sie in Ihrer Kindheit geliebt haben? Zum Beispiel das Lied mit den drei Chinesen, bei dem die Selbstlaute
verändert werden? Oder die Geheimsprache, die Sie sich mit Ihren Freunden ausgedacht haben (zwischen jedes Wort die Silbe "ne" dazwischensetzen: Ichne gehene heutene zumne Schwimmenne)?

Alle Spiele mit Klang und Rhythmus machen Ihr Kind aufnahmefähiger für die Welt der Laute und die Lautstruktur, so dass es gut vorbereitet dem Schreib- und Leselernprozess begegnen kann. Zum Thema "phonologische Bewusstheit" gibt es inzwischen zudem einiges an Literatur und auch PC-Programme.

Nachteilsausgleich für LRS – was ist das genau und wie kommt ein Kind dazu?

Bei einem schulischen Nachteilsausgleich geht es darum, Kinder mit Problemen im Lesen und/oder Schreiben so zu bewerten und zu unterstützen, dass sie trotz ihres Handicaps ihren sonstigen Begabungen gemäße Leistungen in den verschiedenen Schulfächern erbringen können.
Meist wird für einige Zeit die Rechtschreibleistung eines Kindes nicht gewertet, es muss vor der Klasse nicht vorlesen, wenn es nicht möchte, es bekommt möglicherweise einen Zeitzuschlag bei Prüfungen und/oder es werden ihm die Aufgaben bei Prüfungen vorgelesen (z.B. auch Textaufgaben in Mathematik).

Das klingt verlockend, ist aber nicht immer nur vorteilhaft.

Um einen offiziellen Nachteilsausgleich zu  erhalten, braucht ein Kind die Diagnose "Legasthenie" bzw. "LRS", d.h. es muss in einer kinder- und jugendpsychiatrischen Praxis untersucht werden und bei entsprechendem Ergebnis ein ärztliches Attest erhalten. (Mehr zu diesem Thema unter Wie entsteht die Diagnose "Legasthenie" bzw. "LRS"?.) Anschließend geht dieses Attest zum zuständigen Schulpsychologen / zur zuständigen Schulpsychologin. Er oder sie entscheidet schließlich, ob die LRS/Legasthenie des Kindes anerkannt und ein Nachteilsausgleich gewährt wird.

Der Nachteilsausgleich wird in den verschiedenen Bundesländern unterschiedlich gehandhabt. Im Elternbereich finden Sie die entsprechenden Erlasse der einzelnen Bundesländer.

Wie oben erwähnt sind die Folgen eines Nachteilsausgleichs nicht ausschließlich positiv.
Es bedarf einer genauen Abwägung, ob es für ein einzelnes Kind richtig und sinnvoll ist, diese Maßnahme in Anspruch zu nehmen. 

Positiv:

  • Für ein betroffenes Kind ist es meist eine große Entlastung, keine schlechten Noten in Diktaten mehr zu schreiben, bessere Bewertungen bei Aufsätze zu erhalten und nicht mehr vor der Klasse lesen zu müssen. Es kann jetzt mit mehr Ruhe und innerer Sicherheit an viele schulische Aufgaben herantreten.
  • Für viele Kinder ist es außerdem nur mit Hilfe des Nachteilsausgleichs möglich, die Noten für den Übetritt auf eine ihnen gemäße weiterführende Schule zu erreichen.
  • Der Nachteilsausgleich kann in Zusammenabeit mit Schulpsychologie und Lehrkräften individuell gestaltet werden, um ein Kind optimal zu entlasten und gleichzeitig zu motivieren und zu fördern.

Negativ:

  • Ob im Zeugnis oder in der Schülerakte ein Vermerk erscheint, ist von Bundesland zu Bundesland verschieden.Für Bayern gilt: Der Nachteilsausgleich wird in einer Zeugnisbemerkung  festgehalten. Wenn der Nachteilsausgleich bis zum Schulabschluss gewährt wird, erscheint diese Bemerkung auch im Abschlusszeugnis und kann zu Nachteilen führen.
    Manchmal werden bei entsprechendem Förderschwerpunkt "bildungsgangeigene Zeugnisse" erstellt (was das auch heißen mag). Bitte informieren Sie sich über die spezifische Regelung in Ihrem Bundesland.
  • Die abweichende Benotung kann ein Problem in der Klassengemeinschaft darstellen, wenn Sinn und Berechtigung des Nachteilsausgleichs von der Lehrkraft nicht einfühlsam erklärt wurden.
  • Das betroffene Kind selbst kann demotiviert werden, wenn es den Eindruck erhält, dass seine Leistungen im Schreiben und Lesen ohnehin nicht zählen. Wird der Nachteilsausgleich nicht wirklich individuell auf das jeweilige Kind zugeschnitten, kommt es im Übrigen  immer wieder dazu, dass auch gute Leistungen und Fortschritte des Kindes nicht gewertet werden.
  • Bei einem Schulwechsel muss jeweils ein neues kinder- und jugendpsychiatrisches Gutachten die LRS bzw. Legasthenie des Kindes bestätigen. Bei einer diagnostizierten LRS muss im Gegensatz zur "Legasthenie" alle zwei Jahre getestet werden, ob die LRS weiterhin besteht.

Wichtig:

Ein Nachteilsausgleich macht wenig Sinn, wenn das Kind nicht gleichzeitig eine gute individuelle Förderung erhält, in der es Fortschritte und Erfolgserlebnisse mit der Schriftsprache erleben kann. Der Nachteilsausgleich alleine ändert nichts am Umgang des Kindes und seines Umfelds mit der Schriftsprache und zementiert so u.U. ein negatives Selbstbild und die Schwächen des Kindes.

Übrigens:

Auch ohne medizinische Diagnose und Nachteilsausgleich haben Lehrkräfte Spielräume und können viele ausgleichende Maßnahmen nach eigenem Ermessen einleiten. Leider werden diese Möglichkeiten oft zu wenig im Sinne der Kindern genutzt.

Welche Erlasse bzw. Regelungen gelten im Bereich LRS bzw. Legasthenie?

Zum Leidwesen der Kinder, Eltern aber auch der Lehrkräfte sind die Erlasse in jedem Bundesland unterschiedlich geregelt. Das heißt, dass die Kultusministerien der Länder jeweils verschiedene Regelungen für "Kinder mit besonderen Schwierigkeiten im Schriftspracherwerb" getroffen haben.
Ein weiteres Problem der LRS-Erlasse besteht darin, dass es sich bei den Maßnahmen, die den Kindern Unterstützung geben können, häufig um "Kann-Bestimmungen" handelt. So werden die angeratenen Hilfen auch von Schule zu Schule unterschiedlich gehandhabt.

Allerdings könnten sich Lehrkräfte in vielen Fällen auf ihre Verpflichtung zur individiellen Förderung der Kinder berufen und daher ausgleichende Maßnahmen ergreifen, ohne dass eine außerschulische "LRS-Diagnose" erstellt werden muss.

Die unterschiedlichen Erlasse der einzelnen Bundesländer finden Sie im Elternbereich unter LRS-Erlasse der Länder.

Welches Leseförderkonzept liegt LegaKids zugrunde?

Die Lesespiele von LegaKids sind insbesondere aus der praktischen Arbeit mit leseschwachen Kindern heraus entstanden. Dennoch liegt ihnen ein Lesemodell zugrunde. Lesen passiert demnach nicht nur im Kopf des Lesers, sondern beinhaltet verschiedene Prozesse (vergleichbar ist es mit dem Mehrebenenmodell von Rosebrock/Nix, nach dem Lesen sowohl auf der Prozessebene, der Subjektebene als auch der sozialen Ebene Fähigkeiten erfordert, fördert und verändert.)

Ausführliche Antworten zum Konzept "Leseförderung":

Welches theoretische Modell liegt den Lesespielen zugrunde?  
Welches lesedidaktische Konzept wird verfolgt?
Werden die Lesespiele nach bestimmten Forschungserkenntnissen / Kriterien konzipiert?Welcher Lesebegriff liegt LegaKids zugrunde?
Liegt den Texten ein bestimmter Wortschatz zugrunde?
Was sind die (Förder) Ziele der "Lesespiele"?