Leseförderkonzept von LegaKids

Welches theoretische Modell liegt den Lesespielen zugrunde?  Welches lesedidaktische Konzept wird verfolgt?

Die Lesespiele sind zunächst aus der praktischen Arbeit mit leseschwachen Kindern heraus entstanden. Dennoch liegt ihnen ein implizites Lesemodell zugrunde. Vergleichbar ist es mit dem Mehrebenenmodell von Rosebrock/Nix*, nach dem Lesekompetenz ein Bündel aus Kompetenzen auf verschiedenen Ebenen ist: Prozessebene, Subjektebene, soziale Ebene

Auf der Prozessebene setzt sich der  Leselernprozess unserer Erfahrung nach aus zwei wesentlichen Komponenten zusammen: Lesetechnik und Leseverständnis. Nur wenn beide gut zusammenwirken, sind die Grundlagen für die Entwicklung einer guten Lesekompetenz gelegt.

Lesetechnik

  • Genauigkeit
  • Geschwindigkeit

Leseverständnis (bei Rosebrock / Nix „lokale und globale Kohärenz“):

  • "Film im Kopf"
  • Übergreifendes Verständnis

Zu diesen beiden konkreten didaktischen Schwerpunkten bietet LegaKids spielerische Übungen an.

*vgl. Rosebrock, Nix (2007) Grundlagen der Lesedidaktik

Werden die Lesespiele nach bestimmten Forschungserkenntnissen / Kriterien konzipiert?

Wie eben beschrieben gehören zum gelingenden Leselernprozess eine gute Lesetechnik und ein ebensolches Leseverständnis.

5 - 15% aller Kinder scheitern schon an der Lesetechnik – also die Kinder, die als "legasthen" oder als "leseschwach" gelten. Für diese Kinder ist der LursMinimator ein sehr gutes Übungsinstrument.

PISA hat immer wieder (auch ganz aktuell) gezeigt, dass ein noch größerer Teil der Kinder Probleme mit dem Leseverständnis hat – ihnen gelingt zwar das technische Erlesen eines Textes, doch sie haben große Schwierigkeiten, Inhalte und Struktur eines Textes mitzuverfolgen und zu erkennen und in übergeordnete Zusammenhänge zu setzen. Für diese Kinder haben wir die Leseverständnisspiele entwickelt, die den Fokus auf den Inhalt der Geschichten lenken.

Aus der psychologischen Forschung und auch aus der aktuellen Hirnforschung (z.B. M. Spitzer) ist hinreichend bekannt, dass Lernprozesse dann erfolgversprechend  mobilisiert werden, wenn der Lerner motiviert ist, wenn also positive Emotionen mit dem Lerngegenstand und dem Lernprozess verbunden sind.

Erstes Ziel der Lesespiele ist es daher, Kinder zum Lesen anzuregen, sie zu  motivieren und ihnen ein positives Leseerlebnis zu ermöglichen. Dies gelingt einerseits durch den Inhalt der Spiele, andererseits durch das Medium Computer, das für die meisten Kinder positiv besetzt ist.

Welcher Lesebegriff liegt LegaKids zugrunde?

Ein pragmatisch-funktionaler Lesebegriff (wie bei der PISA-Studie) beinhaltet 1. Fähigkeiten des Textverstehens, 2. des Nutzens von Texten und 3. des Reflektierens über Texte.

Letztlich sollen alle Kinder die Fähigkeit erlangen "geschriebene Texte zu verstehen, zu nutzen und über sie zu reflektieren, um eigene Ziele zu erreichen, das eigene Wissen und Potenzial weiterzuentwickeln und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen" (Website der OECD zur PISA-Studie).

Während PISA vor allem "Lesen, um zu lernen" abfragt, legt LegaKids auch auf die grundlegenden Lesefertigkeiten, also das "Lesen lernen" Wert. 

Nach welchen Kriterien werden die einzelnen Themen der Geschichten geschrieben?

Die Geschichten auf LegaKids.net haben sich aus den Kontakten zu Kindern mit Lese-Rechtschreibschwierigkeiten heraus entwickelt. Zunächst wurde deutlich, dass betroffene Kinder oft das Gefühl haben, mit ihnen sei grundsätzlich etwas nicht in Ordnung, dass sie sich schämen, aber gar nicht benennen können, wofür. Daraus entstand die Figur des Lese-Rechtschreibmonsters Lurs. Er macht den Kindern begreiflich, dass sie keine Schuld an ihren Schwierigkeiten tragen und dass sie gegen diese Schwierigkeiten selbst aktiv werden können.
Themen, die betroffene Kinder immer wieder beschäftigen, spielen daher eine zentrale Rolle.

Die Themen der Geschichten zielen auf die beiden weiteren Ebenen des Mehrebenenmodells nach Rosebrock / Nix ab:

Subjektebene:
Veränderung des Selbstkonzepts als "Leseversager", "Nicht-Leser" und "Legastheniker" hin zu einem Selbstkonzept  als "selbstbewusster Kämpfer gegen Lurs"

Soziale Ebene:
Die Geschichtenwelt rund um das Lese-Rechtschreibmonster Lurs ermöglicht eine positive Anschlusskommunikation in der Familie, der Schule und mit Peers. Kinder können ihre Situation so  auch in ihrer sozialen Umgebung verständlich machen. Dies ist ein wechselseitiger Prozess: Auch Erwachsene, die sich mit LegaKids beschäftigen, können sich besser in die Kinder einfühlen und sie dementsprechend in ihrem Kampf gegen Lurs begleiten.

Liegt den Texten ein bestimmter Wortschatz zugrunde?

Darauf haben wir verzichtet, um die Geschichten so lebendig und motivierend wie möglich zu gestalten. Zudem richten sich die Geschichten an ein relativ breites Altersspektrum.

Da wir davon ausgehen, dass viele Kinder sich gemeinsam mit Erwachsenen (Eltern, Lehrkräften, Förderkräften) auf den Seiten aufhalten, regen mitunter unbekannte Begriffe zu einer gemeinsamen Begriffsklärung und damit zur Wortschatzerweiterung und zu weitergehenden Gesprächen an.

Was sind die (Förder) Ziele der "Lesespiele"? 

Die unterschiedlichen Lesespiele auf LegaKids dienen zum Aufbau und  zur Übung von Lesekompetenzen in unterschiedlichen Bereichen:

  • LursMinimator: Lesetechnik (Genauigkeit über Silbenmethode oder bedeutungstragende Wortbausteine, Geschwindigkeit durch schrittweises Verkürzen der Darbietungszeit uvm.) Neben den lesetechnischen Aspekten bietet der LursMinimator einen hohen Motivationsfaktor, da beliebige Texte aus dem Interessensgebiet des Kindes eingelesen werden können.
  • Leseverständnisspiele: Durch die Fragen nach jeder Seite der Geschichte werden die Lesegenauigkeit und ein übergreifendes Verständnis unterstützt. Die Illustrationen regen die Kinder an, weitere eigene Bilder zu den jeweiligen Geschichten entstehen zu lassen, also zu lernen, beim Lesen einen "Film im Kopf" zu genießen.
  • Fehlererkennspiele – Training der Lesegenauigkeit und gleichzeitig thematisch spezifizierte Rechtschreibübung

Bei allen Spielen gibt es am Ende eine Erfolgskontrolle, Aufmunterung und Lob, was einen positiven Einfluss auf das Selbstbild der Kinder und ihre weitere Lesemotivation hat.


Die LegaKids-Lesespiele können von Eltern und Kindern sowie von Schulen, Fördereinrichtungen, LRS-Praxen und Lerntherapeuten kostenlos genutzt werden.