"Störung" und "Schwäche" sind bei Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten keine sinnvollen Untergruppen

Auf der Unterscheidung zwischen "Störung" (= Legasthenie / Dyslexie = hirnorganisch bedingt = bleibend) und "Schwäche" (= LRS = durch äußere Umstände bedingt = vorübergehend) basiert der gültige Erlass des bayerischen Kultusministeriums zur "Förderung von Schülern mit besonderen Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens und des Rechtschreibens". Aufgrund dieser Unterscheidung werden Kinder in Gruppen sortiert, die sowohl einen unterschiedlichen Nachteilsausgleich in der Schule als auch unterschiedliche Fördermöglichkeiten erhalten können.

Eine Untersuchung an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt hat diese Unterteilung überprüft.

 

Ergebnisse der Studie

"Die Ergebnisse ließen erkennen, dass auf dieser Basis, unter Berücksichtigung unserer psychodiagnostischen Befunde, keine sinnvolle Unterscheidung beider Subgruppen möglich war. Es zeigten sich vielmehr differenzierte Störungsbilder, die Versuche einer Aufteilung in die Kategorien "Störung" und "Schwäche" realitätsfremd erscheinen ließen." (reportpsychologie, 01/2008, Seite 29)

Anhand verschiedener diagnostischer Methoden stellen die Autoren Engelmann und Plaum dar, dass Beeinträchtigungen der Lese-Rechtschreibleistungen keine einheitliche Erscheinungsform zeigen; es kommen vielmehr untschiedliche Kombinationen mit anderen Schwierigkeiten bzw. Auffälligkeiten vor. Insbesondere kann die oben beschriebene Gruppenbildung von Kindern mit einer Lese-Rechtschreibstörung gegenüber Kindern mit einer Lese-Rechtschreibschwäche nicht aufrechterhalten werden. Entsprechend fordern die Autoren, dass "alle LRS-Schüler, die durch Interventionsprogramme profitieren können, gleichermaßen entsprechende Unterstützung erfahren (...)" (reportpsychologie, 01/2008, Seite 24).

Der Artikel erschien in "reportpsychologie", der Mitgliederzeitschrift des Berufsverbands Deutscher Psychologen. Freundlicherweise wurde uns der gesamte Artikel als pdf-Datei (ca. 1 MB) zur Verfügung gestellt – dafür bedanken wir uns bei reportpsychologie und dem Autor Prof. Dr. Ernst Plaum.

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Störung oder Schwäche - Hier spricht Lurs!

Lurs lässt es sich natürlich nicht nehmen, diese Ergebnisse zu kommentieren:

Herrlich, ganz herrlich, wie die sich streiten. Das passt mir.

Lurs als WissenschaftlerDa gibt es doch diesen bayrischen Erlass, der bei LRS oder Legasthenie zwischen Störung und vorübergehender Schwäche unterscheidet. Mit Hilfe mir wohl gesonnener Wissenschaftler habe ich die Bayern ganz schön reingelegt. Aber leider gibt es da ein widerspenstiges Nest, irgendwo in Bayern, und zwei Menschen, den Plaum und die Engelmann. Die haben jetzt eine Untersuchung gemacht und kommen zu dem Ergebnis, dass das Ganze völliger Quatsch ist, wissenschaftlich nicht haltbar. Die beiden schreiben, dass der Erlass nicht der Realität entspricht. Sie haben Kinder untersucht und festgestellt, dass die Unterscheidung einer angeblich hirnorganischen Störung von einer angeblich vorübergehenden Schwäche unmöglich, ja nicht akzeptabel ist. Hi hi. Recht haben die beiden, aber wissen braucht das eigentlich niemand.

Ganz besonders schön finde ich, dass durch diese Aufspaltung ein Großteil der Kinder von einer angemessenen Förderung ausgeschlossen wird. Denen geht's dann ganz scheußlich! Ist das nicht phantastisch!? Das finden Sie sicher auch.

Und das Schönste: Immer wieder fordert irgendjemand die gleiche – natürlich wissenschaftlich genauso unhaltbare – Unterscheidung für Kinder mit Schwierigkeiten beim Rechnen. Die nennen das dann "Dyskalkulie und Rechenschwäche". Ach, ich liebe es, wenn der Blödsinn, den ich verbreite, auf fruchtbaren Boden fällt!

Alle Bundesländer, alle Schulen sollten sofort auf jedes stützende Angebot verzichten. Das ist mein bescheidenes politisches Ziel. Bitte, bitte helfen Sie mir, dem armen, überlasteten Lurs, dieses Ziel zu erreichen. Danke.

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