Lernwege

Früherkennung und -förderung im Bereich des Schriftspracherwerbs

Jeder Mensch kann lernen;  jeder Mensch lernt;  jeder Mensch lernt anders

Die Meinung, menschliche Lern- und Entwicklungsprozesse verlaufen nach strengen hierarchischen Phasen oder Stufen ist heute weitgehend überholt. Wenn kindliche Entwicklungs- und Lernprozesse anders verlaufen als wir es erwarten, sollten wir zuerst über unsere Vorstellungen, unsere Erwartungen, über unser Wissen über Entwicklungen nachdenken.

Ohne jedoch genau wissen zu können, wie Entwicklung verläuft, ist es für uns als Eltern, Therapeuten, Lehrkräfte usw. wichtig, Entwicklungsimpulse, die von den Kindern ausgehen, wahrzunehmen und zu nutzen. Für ein Kind liegt der Reiz des Lernens nicht im Endprodukt "Wissen/Fakten", sondern im Lernprozess selbst. D.h. für ein Kind ist es reiz- und sinnvoll zu lernen, wenn es sich ganz nach seinen eigenen Wünschen und Möglichkeiten die Welt aneignen, erschließen, sie erforschen, ausprobieren kann.
Vor allem intentionale (wie z.B. die schulischen) Lernergebnisse sind vergleichbar, die Wege dorthin jedoch kaum.

Im Gegensatz zu früheren Auffassungen, gehen wir heute davon aus, dass Lernerfolge wesentlich stärker vom Vorwissen des Kindes als von seiner Intelligenz abhängen.
Zusammenhänge zwischen Intelligenz und Lernen lassen sich zwar beobachten, aber nur insofern, dass es intelligenten Menschen besser und effizienter gelingt, Wissen zu erwerben. Stern fasst diesen Zusammenhang prägnant zusammen: "Auch intelligente Menschen müssen lernen und weniger intelligente Menschen können lernen". Wirklich intelligenter aber werden wir nur durch die Auseinandersetzung mit anspruchsvollen Inhalten.

Erfolgreiches Lernen findet statt, wenn eingehende Informationen an bestehendes Wissen angebunden werden.

Steni hält Lurs im  SchwitzkastenWas aber wissen wir nun über erfolgreiches Lesen, Schreiben und Rechnen lernen?
Gerade in diesen beiden schulrelevanten Fächern wird besonders deutlich, dass erfolgreiches Lernen eben nur indirekt von der Intelligenz abhängt: entscheidender ist für beide Bereiche das (fachspezifische) Vorwissen. Intelligenz kann dabei lediglich den Erwerb und den Abruf des notwenigen Wissensbasis steuern, dieses (fehlende bzw. noch nicht vorhandene Wissen) aber keinesfalls ersetzen.
Als ein wichtiger Prädiktor für spätere schulische Schriftsprachkompetenz hat sich ein Wissensbereich herauskristallisiert, der als phonologische Bewusstheit charakterisiert wird. Dieser spezifische Wissensbereich erfasst das Wissen über die Lautstruktur unserer Sprache, z.B. dass sich Worte reimen, dass Worte mit unterschiedlichen Lauten beginnen usw. Er beschreibt das Gespür der Kinder für die Sprache; erfasst ihre Idee davon, wie Sprache klingt. Die Kinder lernen, ihre Aufmerksamkeit nicht mehr nur auf den Inhalt der Rede, sondern auf die Struktur der Sprache und ihren Aufbau zu richten:

  • Einen Satz in die einzelnen Wörter zerlegen
  • Hören, ob zwei Wörter sich reimen
  • Silben klatschen
  • Den ersten Laut im Wort erkennen
  • Ein Wort in die einzelnen Laute zerlegen

Frühe Buchstabenkenntnisse sowie das Arbeitsgedächtnis sind weitere wichtige Wissensbereiche.

Da bei all diesen Variablen keine linearen, monokausalen Zusammenhänge zu einer LRS bzw. einem Schulleistungsversagen in Deutschunterricht abgeleitet werden können, wird empfohlen, eine differenzierte Diagnose Fachvertretern zu übertragen.

Sinnvolle Übungsformen für den gesamten Prozess des Schriftspracherwerbs sind folgende:

  • Lieder singen
  • Reim- und Klatschspiele
  • Rhythmusübungen
  • Kritzelbriefe schreiben,
  • Notizen/Einkaufszettel verfassen;
  • Bildergeschichten lesen
  • Symbol-Lesetexte (Icons, Verkehrs-, Hinweisschilder) deuten
  • Buchstabenkombinationen und Signalwörter lesen (Namen/Reklame/Markenbezeichnungen)
  • Übungen zum Hörverstehen (Verstehen mündlicher Fragen und Aufforderungen)
  • Rekodieren (Erkennen von lautgleichen Wörtern: mehr und Meer)
  • Dekodieren (Erkennen von Wortbedeutungen)
  • Leseverstehen (Verstehen schriftlich gestellter Fragen und Aufforderungen)
  • Übungen zur Graphem - Phonem - Zuordnung (einfache Leseübungen), Wort- und Satzlesen
  • Übungen zur Phonem - Graphem - Korrespondenz
  • Einfache (Ab)Schreibübungen als Form des "technischen" Schreibens
  • Schreiben in Sinnzusammenhängen

Prof. Dr. B. Werner - PH Heidelberg

(Sie können auch die fachsprachliche Version dieses Textes lesen.)

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