Lurs früh erkennen

Was hat die Vorschulzeit mit Lesen und Schreiben zu tun?

 

Prof. Dr. Birgit Werner, Pädagogische Hochschule Heidelberg


Eine Häufung von Auffälligkeiten in der frühkindlichen, vorschulischen Entwicklung kann ein möglicher Hinweis auf spätere Lernprobleme sein. Dennoch muss nicht jede Auffälligkeit zu einer Lernstörung führen.

Längst nicht alle Lernstörungen lassen sich auf frühkindliche, vorschulische Auffälligkeiten zurückführen. Es besteht keine nachweisbare gegenseitige Abhängigkeit zwischen Risikofaktoren und später auftretenden Lernstörungen. Nicht jedes Kind mit Sprachproblemen entwickelt (zwangsläufig) eine Lernstörung. Nicht jedes Kind, das ungern erzählt oder singt, bekommt eine Lese-Rechtschreibstörung.

Falls Sie mehrere solcher Beobachtungen machen, suchen Sie bitten den Kontakt zu Ihrer Kindergärtnerin, zu Ihrem Kinderarzt oder zu Ihrer Lehrerin. Nur gemeinsam können Sie einen Weg finden, um die Situation für Ihr Kind zu verbessern.

Beobachtungen im Vor- und Grundschulalter in Bereichen, die besonders für den Erwerb der Schriftsprache relevant sind (Marx, 1997):

I. Analytische und synthetische Vorerfahrungen im visuellen Bereich
II. Analytische und synthetische Vorerfahrungen im sprachlichen Bereich
III. Analytische und synthetische Vorerfahrungen im auditiv-artikulatorischen Bereich

I. Analytische und synthetische Vorerfahrungen im visuellen Bereich:

  • Optische Differenzierung der Symbole, z.B. B und P;
  • Bedeutungsveränderung bei Drehung und Spiegelung von Symbolen, z.B. die geschriebenen Symbole für das Ziffernsymbol "Drei" und den Buchstaben "E"
  • Bilder nach Kategorien (Farben, Forme, Größen u.a.) klassifizieren
  • Bedeutung der Einhaltung der Rechts-Links-Orientierung in der Symbolsprache (kulturell bedingte Lese- und Schreibrichtung)
  • Unterscheiden von Bildern, Buchstaben, Ziffern, Icons, Logos usw.
  • Umgang mit sich überlappenden Darstellungen Fortsetzung von Mustern

II. Analytische und synthetische Vorerfahrungen im sprachlichen Bereich

  • Erkennen grammatischer Strukturen und deren Regelhaftigkeiten, grammatische Analogiebildung
  • Schnelles Benennen von (Bild)Objekten, Symbolen, Farben
  • Erfassen und Fortsetzen von Bildergeschichten
  • Wortschatzentwicklung

III. Analytische und synthetische Vorerfahrungen im auditiv-artikulatorischen Bereich

  • Akustische Differenzierung von Wörtern, z.B. Tanne - Kanne
  • Unterscheiden von Reimen und Nicht-Reimen
  • Erkennen von Pseudowörtern
  • Segmentierung von Wörtern, Silbenbildung
  • Nachsprechen artikulatorisch komplizierter Wortfolgen ("Zungenbrecher")

 

Literatur

Marx, H. (1997). Erwerb des Lesens und des Rechtschreibens: ein Literaturüberblick.In: Weinert, F./Helmke, A. (Hrsg.). Entwicklung im Grundschulalter. Weinheim: Beltz; S. 86 - 111Download des Textes als pdf-Datei (156 kb)

 

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