Schultipps
Diese neue Rubrik wird in den nächsten Monaten ausgebaut und etwa wöchentlich um einen aktuellen Tipp erweitert.
Für die Anregungen zu den Elterntipps bedanken wir uns bei "Schubs", dem Schulberatungsservice.
Das Schuljahr beginnt
"Ich bin die Neue"
Bewegung bei den Hausaufgaben
Was tun, wenn sich Ihr Kind vor der Nacht fürchtet?
Das Schuljahr beginnt
Erinnern Sie sich noch an die eigene Schulzeit? Ein neues Schuljahr beginnt - das war doch immer etwas Besonderes! Und das es ist es auch heute für unsere Kinder.
Wie wir es damals getan haben, beginnen heute Kinder den Start ins neue Schuljahr meist mit guten Vorsätzen. Manchmal überfordern sie sich dabei. Sie nehmen sich zu viel vor oder sie überschätzen ihr Durchhaltevermögen.
Vor Überforderung schützen
Wie können wir dem Kind (und uns) Enttäuschungen ersparen und es davor schützen, sich zu überfordern?
- Wir können von unseren eigenen Schulerfahrungen erzählen - von dem, was uns gelungen ist, aber auch von dem, was wir nicht so gut hinbekommen haben.
- Wir können uns nach den Vorsätzen des Kindes erkundigen - vielleicht hat es ganz konkrete Gedanken dazu oder doch schon erste Ideen.
- Dann klären wir mit dem Kind gemeinsam ab, ob diese Vorsätze wirklich erreichbar sind.
- Wir besprechen, welche guten Vorsätze für das Kind die wichtigsten sind - auf die kann es sich konzentrieren.
- Wir konkretisieren die Vorsätze: Was bedeutet "in Englisch besser werden"? Soll statt der 4 in Englisch eine 3 im Halbjahreszeugnis stehen? Oder ist das Ziel, die Vokabeln regelmäßiger zu lernen?
Konkretisieren der Vorsätze
Max zum Beispiel nimmt sich vor, die Vokabeln regelmäßig zu lernen.
Die Mutter entwirft mit ihm ein Plakat, auf dem dieser gute Vorsatz beschrieben ist: Vokabeln lernen, dabei die Wörter schreiben, täglich zu einer bestimmten Zeit für zehn Minuten.
Oder: Was bedeutet "eine schönere Heftführung"?
Auch das kann ganz konkret auf einem Plakat oder einer gemeinsam gestalteten Musterseite festgehalten werden. Wichtige Punkte werden hervorgehoben: den Rand einhalten, eine schöne Schrift probieren, Überschriften mit Lineal unterstreichen, darauf achten, dass keine Eselsohren entstehen, Bilder dazu malen oder einkleben ...
Und auch die Überlgegung, was sich der Lehrer oder die Lehrerin zu diesem Thema wünschen könnte, hilft vielleicht weiter.
Soziale Belohnung verbindet
Für jeden Tag, an dem Max einen Vorsatz eingehalten hat, kann er sich auf das Plakat ein Smiley kleben oder einen Punkt malen. So weiß er, wie oft es ihm gelungen ist, seinen "Englischvokabel-lernen-Schweinehund" zu überwinden.
Für gesammelte Smileys oder Punkte gibt es dann eine Belohnung, vielleicht einen Kinobesuch oder gemeinsam Eis essen gehen. Soziale Belohnungen sind sinnvoller als materielle Geschenke. Sie schaffen Zuwendung auch in Situationen, die nichts mit der Schule zu tun haben.
"Ich bin die Neue"
Neu in einer Klasse zu sein, das erleben unsere Kinder gleich bei der Einschulung und später auch beim Übertritt auf eine weiterführende Schule. In diesen Situationen sind sie alle gleichermaßen neu, weil eine neue Klassengemeinschaft gebildet wird.
Belastender wird von Kindern und Jugendlichen meistens empfunden, wenn sie durch Schulwechsel (z.B. nach einem Umzug der Familie) oder durch Wiederholen der Klassenstufe neu in eine bestehende Klassengemeinschaft kommen. Hier sind sie als "einzige" neu. Man kennt als "einziger" die Abläufe nicht, nicht die Gruppierungen der Schüler untereinander und man wird auch als "Neuer" oder "Neue" von allen Mitschülern ziemlich genau beobachtet.
Es hängt viel davon ab, wie Lehrkräfte die Situation handhaben und die neue Mitschülerin oder den neuen Mitschüler integrieren.
Informationen vorab einholen
Als Eltern können Sie den Anfang an einer neuen Schule für Ihr Kind erleichtern, indem Sie dort vorab ein persönliches Gespräch führen. Vielleicht ist es auch möglich, dass Ihr Kind vorher einen Rundgang durch die Schule machen und die zukünftige Lehrkraft kennenlernen kann.
Die Lehrkraft wird sicher auch Auskunft darüber geben, wie ein neues Kind üblicherweise in ihrer Klasse empfangen wird.
Hilfestellung aktiv anbieten
Wenn Ihr Kind eine Klasse wiederholen muss, ist dem meistens ein belastendes Jahr mit Lernschwierigkeiten und schlechten Noten vorausgegangen. Ermuntern Sie Ihr Kind, im neuen Jahr neue Lernstrukturen auszuprobieren und bieten Sie Hilfestellung dafür an. "Sitzenbleiber" werden oft auch von der neuen Klasse erst einmal belächelt. Manche Kinder und Jugendliche kompensieren dies durch "Coolness" und geben ein falsches Bild von sich. Es ist wichtig, dass Anschluss an Klassenkameraden gefunden wird, die eine positive Einstellung zum Lernen haben, damit die Wiederholung Aussicht auf Erfolg hat.
Vorbereitung durch gemeinsame Gespräche
Neu in einer Klasse zu sein, bedeutet erst einmal Unsicherheit. Bereiten Sie Ihr Kind auf den Neustart vor, indem Sie öfter darüber sprechen:
- Erzählen Sie von Ihren Erlebnissen, in denen Sie selbst "neu" waren, z.B. an einem neuen Arbeitsplatz. Wie haben Sie sich gefühlt? Wie haben die anderen reagiert?
- Helfen Sie Ihrem Kind, sich die neue Situation vorzustellen, indem Sie es an ähnliche Situationen erinnern, die es erfolgreich gemeistert hat: an die Einschulung oder an die Aufnahme in einer Sportgruppe.
- Ermutigen Sie Ihr Kind in dem Gedanken, dass es schon ein paar Tage dauern kann, bis es sich sicherer fühlt und erste Kontakte knüpfen kann.
- Lassen Sie Ihr Kind im Gespräch eigene Gedanken zur Kontaktaufnahme entwickeln.
Konkrete Unterstützung
- Zeigen Sie Ihrem Kind, dass Sie sehr wohl wissen, wie schwer es ist, ein "Neuer" zu sein. Äußern Sie gleichzeitig Ihre Zuversicht, dass Ihr Kind es schaffen wird.
- Geben Sie Ihrem Kind einen kleinen Begleiter mit (ein Püppchen oder eine Kraftfigur, einen besonderen Stein), der beim Start in die neue Klasse mithelfen wird.
- Spannen Sie den Bogen am ersten Tag bis zum Schulschluss: "Ich bin neugierig, was du mir heute alles erzählen wirst!"
Das Bewusstsein, dass Mutter und Vater einem beistehen und man mit seinen Gefühlen bei ihnen ernst genommen wird, ist der beste Helfer für jede neue Situation eines Kindes.
Bewegung bei den Hausaufgaben
Hausaufgaben sind ein Kapitel für sich. Eltern, deren Kinder die Hausaufgaben selbständig – und auch vollständig – erledigen, können sich glücklich schätzen. In der Realität ist es höchst selten so. Abhängig von der Menge, dem Thema, zusätzlichen Übungspflichten und der "Lust" des Kindes wird die Hausaufgabensituation für Kind und Eltern oft zur Zerreißprobe.
Achten Sie auf regelmäßige Pausen während der Hausaufgaben
Je nach Alter der Kinder reicht die Konzentrationsspanne von 15 bis 30 Minuten. Danach ist der Akku leer und die Kinder müssen ihn wieder aufladen: Durch Bewegung, am besten in frischer Luft, und Wasser trinken kann der Hirn-Akku am schnellsten betankt werden.
"Dynamisches Sitzen" fördert die Konzentration
Ihr Kind "darf" seine Sitzhaltung immer wieder verändern: mal lehnt es sich an, mal sitzt es aufrecht, mal im Reitersitz mit der Lehne vor sich, um nur einige der vielfältigen Möglichkeiten beim Sitzen zu nennen.
Ein „Ballkissen“ ist eine gute Hilfe für dynamisches Sitzen.
Hausaufgaben können auch im Liegen angefertigt werden
Atmung und Blutkreislauf funktionieren in dieser Haltung besser als im Sitzen.
Die Schrift sollte möglichst nicht darunter leiden :-)
Schreibhausaufgaben kann Ihr Kind auch stehend erledigen
zum Beispiel am Stehpult. Hier gibt es neben fertigen Modellen auch Bastelanleitungen im Internet - probehalber kann auch das Bügelbrett genutzt werden.
Beim mündlichen Lernen gibt es vielerlei Möglichkeiten der Bewegung
Ein Gedicht lernt sich am besten im Stehen und in rythmischem Gehen. Inhalte können durch passende Bewegungen und Gesten besser behalten werden - Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Eine abgegrenzte Fläche kann zum Beispiel die Bühne sein, wo Ihr Kind auch schauspielerische Fähigkeiten zeigen kann!
Alle Lerninhalte wie zum Beispiel Einmaleins können trainiert werden, indem man rhythmisch einen Softball an die Wand wirft, Trampolin oder Seil springt oder vielleicht sogar Hanteln stemmt.
- Wenn Sie Vokabeln abfragen, können Sie einen Softball im Frage-Antwort-Rhythmus hin und herwerfen.
- Inhalte aus Sachtexten lernen sich leichter, wenn man sie hin- und hergehend liest und zwischendurch immer wieder den Kopf hebt, um sie zu wiederholen.
Sicher hat Ihr Kind selbst noch viele Ideen, wie man beim Lernen Bewegung mit ins Spiel bringt. Das manchmal lästige Auswendigkernen macht dadurch auch mehr Spaß.
Was tun, wenn sich Ihr Kind vor der Nacht fürchtet?
Manchmal, wenn Lurs besonders fies war und Kinder mit "LRS, Legasthenie, Lernstörungen, Schulangst etc." geimpft hat, steigt auch die allgemeine Ängstigung. Diese Ängstigung der Kinder zeigt sich nicht selten darin, dass sie sich vor Dunkelheit fürchten. Dann bekommt die Nacht etwas Beängstigendes, nächtliche Schattenspiele werden zu Gespenstern, Dieben oder Monstern. "Mama, bleib da!", "Papa, bleib da!" , rufen die Kleinen und signalisieren, dass sie alleine nicht klarkommen.
Was tun?
Versuchen, den Kindern die Angst auszureden? Das ist sicher nicht so günstig. Ihr Kind erhält dadurch keine Möglichkeit, seine Angst zu bewältigen.
Unsere Tipps:
Ein Schlaflicht oder Nachtlicht macht die Dunkelheit erträglicher. Geben Sie Ihrem Kind etwas mit ins oder ans Bett, das beschützend wirken kann. Zum Beispiel eine kleine Fee, einen Ritter oder eine andere Figur, die viel Kraft und Macht besitzt. (Besonders geeignet ist der Kuschel-Plüsch-Lurs, weil der sehr mächtig ist :-)
Lesen Sie viel vor. Wählen Sie die Gutenachtgeschichten sorgfältig aus - am besten Geschichten, die lustig und unverfänglich sind. Damit kommen nicht zusätzlich weitere Ängste auf. Oder wählen Sie Geschichten von Kindern, die stark und mutig sind. Hier bekommt Ihr Kind ein Modell, das ihm hilft, mit seinen Ängsten umzugehen.
Zum Beispiel:
"Kleine Helden, großer Mut" von Angelika Bartram und Jan-Uwe Rogge. Oder Astrid Lindgrens zahlreiche Romanheldinnen und –helden wie Pippi Langstrumpf oder der Michel aus Lönneberga, um nur zwei der bekanntesten zu nennen. Schön sind auch die "King-Kong"-Geschichten von Kirsten Boie. King-Kong ist das Meerschweinchen von Jan-Arne und es erlebt mit ihm allerlei Lustiges und Spannendes.
Anregungen für alle Altersstufen finden Sie auch bei der Kinderbuch-Couch.
Und ...
Dunkelangst entwickelt sich innerhalb von Tagen, Wochen oder auch Monaten - meist dauert es genauso lange, bis das Kind diese Ängstigung wieder in den Griff bekommt. Bleiben Sie geduldig.




