zurück zur Übersicht

Ausbildungsstand der Deutschlehrkräfte zum Schriftspracherwerb

506 der Lehrkräfte unterrichten das Fach Deutsch (459 in Grund-, Haupt-und Förderschulen) – die Angaben dieser Lehrkräfte gehen in die weitere Auswertung ein.

Knapp 86 % (n=434) der Deutschlehrkräfte gaben an, in ihrer Ausbildung fundiertes Wissen zum Aufbau der Schriftsprache erworben zu haben.

35 % (n=179) der Deutschlehrkräfte haben während ihrer Ausbildung kein fundiertes Wissen zur Didaktik des Lesens und Schreibens erworben. Sie haben also nicht ausreichend gelernt, wie man die Schriftsprache lehrt. 

Etwas über 60 % (n=306) der Deutschlehrkräfte haben während ihrer Ausbildung kein fundiertes Wissen zu besonderen Problemen beim Erwerb der Schriftsprache erworben.

36,5 %, also 185, der Deutschlehrer gaben an, LRS-Förderkraft zu sein. Von diesen Förderkräften haben 45 % (n=84) für diese Tätigkeit keine Ausbildung erhalten. 

67 % (n=124) der als Förderkraft tätigen Lehrer halten die Bedingungen für den Deutsch-Förderunterricht an ihrer Schule für ungünstig.

Zusätzlich wurde gefragt:

Halten Sie die Forderung "Ausbildung zur Didaktik des Schriftspracherwerbs und zu möglichen Problemen in dem Prozess des Schriftspracherwerbs muss für alle Grundschullehrkräfte verpflichtend sein" für berechtigt? (siehe auch LegaKids-Initiative "Recht auf Lesen").

Dieser Forderung stimmten 96 % (n=486) aller teilnehmenden Deutschlehrkräfte zu.

17 % (n=86) der Deutschlehrkräfte meinen, diese Forderung werde in ihrem Bundesland bereits erfüllt.

Zusammenfassende Bewertung:

Wie beurteilen Deutschlehrkräfte ihre eigene Ausbildung zum Schriftspracherwerb? Haben sie eigentlich gelernt Deutsch zu lehren? Wissen sie genug über die Schwierigkeiten, die beim Erlernen von Lesen und Schreiben auftreten können? Haben LRS-Förderlehrer eine Ausbildung, die sie zu ihrer Tätigkeit befähigt? Und wie gut sind die schulischen Rahmenbedingungen für ihre Tätigkeit?

Die Antworten der Lehrkräfte auf diese Fragen stimmen nachdenklich. 

Fundiertes Wissen zum Aufbau der Schriftsprache hat immerhin der größte Teil der Deutschlehrkräfte innerhalb der Lehrerausbildung erworben. Dennoch bleiben 16% der Lehrkräfte, die nicht fundiert im Aufbau der Schriftsprache ausgebildet wurden – und das sind wohlgemerkt Lehrkräfte, die das Fach Deutsch unterrichten.

35% der Deutschlehrkräfte geben an, ungenügend zur Didaktik des Lesens und Schreibens ausgebildet worden zu sein, d.h. die Deutschlehrer wissen nach abgeschlossener Ausbildung zwar einiges über den Aufbau der Schriftsprache, wie sie ihr Wissen aber nützen können, um den Schriftspracherwerb zu lehren, das haben diese Lehrer nicht gelernt. Im Klartext: Jeder dritte Deutschlehrer fühlt sich nicht ausreichend dazu ausgebildet, Kindern das Lesen und Schreiben beizubringen.

Und wenn dann bei einzelnen Kindern Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben hinzu kommen, sieht es noch schlechter aus: Zwei von drei Deutschlehrern haben keine Ausbildung erhalten, um Probleme der Kinder beim Schriftspracherwerb zu erkennen und diesen zu begegnen.

Für die schulische Unterstützung von Kindern mit Förderbedarf in Deutsch gilt: Nur wenig mehr als jede zweite LRS-Förderkraft hat überhaupt eine Ausbildung für die Fördertätigkeit erhalten.

Auch den schulischen Rahmen für ihre spezielle Tätigkeit bemängeln die Förderkräfte: Nur jede dritte Förderkraft hält die Bedingungen für den Deutsch-Förderunterricht an ihrer Schule für günstig.

In der LegaKids-Initiative "Recht auf Lesen" haben wir gemeinsam mit vielen anderen Organisationen und Personen gefordert, dass die "Ausbildung zur Didaktik des Schriftspracherwerbs und zu möglichen Problemen in dem Prozess des Schriftspracherwerbs (...) für alle Grundschullehrkräfte verpflichtend sein (muss)". Dieser Forderung stimmten 96% aller teilnehmenden Deutschlehrkräfte zu. Nicht einmal jede fünfte Lehrkraft ist der Meinung, dass diese Forderung in ihrem Bundesland bereits erfüllt wird. 

Die Antworten der Lehrkräfte belegen nachdrücklich, dass die Lehrerausbildung Grundanforderungen an Wissen, Didaktik und  Pädagogik im Bereich Schriftspracherwerb bislang nur ungenügend Rechnung trägt. Schade nur, dass die Kultusministerien fast aller Länder davon ausgehen, dass in ihrer Lehrerausbildung alles in bester Ordnung ist ... (vgl. Reaktionen der Länder auf die Initiative "Recht auf Lesen")

Übrigens: Da die überwiegende Zahl der teilnehmenden Lehrkräfte LegaKids.net schon vor der Befragung kannte, gehen wir davon aus, dass die Teilnehmer der Umfrage stärker mit der LRS-Materie befasst sind als es Lehrkräfte im Allgemeinen  sind. Es ist daher anzunehmen, dass der Ausbildungsstand der Lehrerinnen und Lehrer im Allgemeinen eher niedriger ist als es die Ergebnisse der Umfrage widerspiegeln.

nach oben


Auswertung

Zusammenfassung der Auswertung

Sie können sich die gesamte Auswertung als pdf-Datei (241 KB, 26 Seiten) herunterladen.

1. Teil: Ausbildungsstand der Lehrkräfte zum Schriftspracherwerb
2. Teil: Definitionen von LRS / Legasthenie
3. Teil: Belastung und Förderung der Kinder mit LRS / Legasthenie
4. Teil: Erwartungen der Lehrkräfte
5. Teil: Tipps der Lehrkräfte

Fragebogen

Lehrerfragebogen 2010 als PDF (1,3 MB)

Aktuelles aus dem LRS-Blog

Bitte gib oben eine E-Mail-Adresse mit an, wenn dir Lurs antworten soll. Danke!

 

Anzeige

Grundlagentraining Mathe und Deutsch

Anzeige

Der Erste Österreichische Dachverband Legasthenie (EÖDL)