Literatur zum Thema Rechnen
"Bloß kein minus - lieber plus!"
Die Subtraktion - ein Buch mit sieben Siegeln?
Katja Rochmann, Michael Wehrmann
Ein Lehr- und Lernbuch für den Grundschulstoff
Arbeitskreis vom Zentrum für angewandte Lernforschung
gemeinnützige GmbH (Hrsg.)
ISBN 978-3-00-028253-9
Ausgehend vom fehleranalytischen Ansatz widmen sich die Autoren der Rechenart der Subtraktion, die bei rechenschwachen Kindern ihrer Erfahrung nach den "1. Platz der Negativskala" einnimmt.
Mit vielen Beispielen geben sie Einblick in die Denkstrategien eines rechenschwachen Kindes, sowie Möglichkeiten zur Analyse und
Diagnostik. Darüber hinaus entwickeln sie klare didaktische Richtlinien
für die Grundschulen und empfehlen vor allem für die Klasse 1 und 2 den Aufbau von grundlegenden Fertigkeiten, die unerlässlich für das Verstehen und Durchführen von Subtraktionen sind.
Das Buch ist in sechs Fördergrundsätze gegliedert - beginnend mit dem grundsätzlichen Zahlverständnis bis hin zur Didaktik bei schriftlichen
Rechenverfahren.
Die Autoren gehen dabei auf die Bedeutung der mathematischen Vorläuferfertigkeiten (Eins- zu- Eins-Zuordnung, Mengenbegriff bis 5, Zählfertigkeit) ein und betonen die Wichtigkeit des Vorhandenseins einer Zahlenraumvorstellung für die Entwicklung des Anzahl- und Operationsverständnisses. Sie weisen auf die Problematik des Fingerrechnens hin (ein Hilfsmittel für viele rechenschwache Kinder): Durch die lineare Anordnung der Zahlenreihe: "weniger ist weiter vorne" kann sich kann sich kein Mengenbegriff herausbilden, kein Verständnis für das "Teile/Ganzes-Konzept" von Zahlen entwickeln.
In diesem Zusammenhang sehen sie auch die Probleme der Rechenschwachen mit den so genannten Platzhalteraufgaben. Die Autoren plädieren, in der ersten Klasse die Rechenarten der Addition und Subtraktion parallel einzuführen, die Subtraktion als Umkehroperation der Addition begreiflich zu machen.
Im Kapitel über die halbschriftlichen Rechenverfahren zeigen die Autoren die Problematik der unterschiedlichen Vorgehensweisen bezogen auf ein rechenschwaches Kind auf und entscheiden sich in diesem Zusammenhang gegen das "geschickte Rechnen" zugunsten des "Normalverfahrens" (schrittweises Rechnen) als optimale Lösungsstrategie, geeignet zur Analogiebildung.
Bei den schriftlichen Rechenverfahren zeigen sie die Vor- und Nachteile der in den Bundesländern unterschiedlichen gelehrten Verfahrensweisen auf. Für Lehrkräfte und Lerntherapeuten ist dies ein Abschnitt im Buch, der zu Nachdenken anregt und die Schwierigkeiten ndes rechenschwachen Kindes nochmals verdeutlicht.
Dieses Buch ist ein Plädoyer dafür, genau auf das Vorhandensein der elementaren mathematischen Voraussetzungen zu achten. Diese Grundlagen zu fördern und weiterzuentwickeln sehen die Autoren als Pflicht der Grundschule. Darüber hinaus bietet es viele Anregungen und konkrete Hilfestellungen für Therapeuten und Förderlehrer für den Aufbau des Mengen- und Operationsverständnisses.
Da im Buch der Fokus klar auf den rein rechnerischen Fertigkeiten liegt, bleibt es der Lehr- bzw. Förderkraft selbst überlassen, die angebotenen Strategien in einen ganzheitlichen Ansatz bei der Förderung rechenschwacher Kinder einzubetten: Kognitive Ausstattung, Begabungen und persönliche Ressourcen sind ebenso wesentliche Faktoren, die zu einer Verbesserung von Mathematikproblemen beitragen können. Gleichzeitig müssen mögliche Lernblockaden vor dem Hintergrund der Rechenschwäche sowie Ängste vor dem Fach Mathematik in ein wirksames Förderkonzept einbezogen werden.
Auch wenn diese Aspekte in Rochmanns/Wehrmanns Buch nicht thematisiert werden, ist es sicher ein gut verständliches, genaues und nützliches Werkzeug zu Didaktik und Fehleranalyse.
Weitere Informationen finden Sie auf folgenden Seiten: Arbeitskreis des Zentrums für angewandte Lernforschung



