Rheinland-Pfalz
MINISTERIUM FÜR BILDUNG, WISSENSCHAFT, JUGEND UND KULTUR
DIE STAATSSEKRETÄRIN

Ohne Datum, eingegangen am 19. November 2009

Ausbildung von Grundschullehrkräften in Rheinland-Pfalz im Bereich Didaktik
des Schriftspracherwerbs


Sehr geehrter Herr Kortländer,

vielen Dank für Ihr Schreiben an Frau Ministerin Ahnen, die mich gebeten hat, Ihnen zu antworten.
Ihrer Forderung, dass Lehrkräfte in der Grundschule eine solide und gründliche Ausbildung im Bereich der Didaktik des Schriftspracherwerbs benötigen, kann ich mich voll umfänglich anschließen. Die Didaktik des Schriftspracherwerbs im Kontext der Förderung der Lesekompetenz ist ein wichtiges Anliegen der Lehrerinnen- und Lehrerausbildung für die Grundschule in Rheinland-Pfalz.

Deshalb komme ich sehr gerne Ihrer Bitte nach, die entsprechenden Inhalte und Kornpetenzen, welche im Rahmen des universitären Studiums sowie des Vorbereitungsdienstes angestrebt werden, kurz darzustellen.

Das Iehramtsbezogene Bachelor- und Masterstudium in Rheinland-Pfalz sieht für jedes Fach Curriculare Standards vor und ist modular strukturiert. Für alle Studierenden mit dem Lehramtsschwerpunkt Grundschule gehört das Fach Grundschulbildung mit den entsprechenden Modulen zum Pflichtkanon. Eines dieser Studienmodule bezieht sich ausschließlich auf die „Didaktik des Deutschunterrichts“ und umfasst u.a. folgende Inhalte mit den entsprechenden Kompetenzen:

Inhalte

„Theorien des kindlichen Spracherwerbs (Erst- und Zweitsprache)“, „Theorien des Schriftspracherwerbs“, „Förderkonzepte bei Lernschwierigkeiten und Störungen im Bereich Sprechen ‚ Lesen ‚ Schreiben“ ‚ „Lernprozessd iagnostik“.

Qualifikationen, erwartete Kompetenzen

„Die Studierenden können kindliche Äußerungen im Kontext von Spracherwerbs-
theorien klassifizieren und daraus Folgerungen für den Unterricht herleiten und differenzierte Lernwege für den Schriftspracherwerb ad ressatenorientiert aufzeigen;“, „. . . verfügen über Wissen und Handlungsformen im Umgang mit Lernschwierigkeiten und Störungen im Bereich (. . .) Schreiben (. . .) und können diese exemplarisch anwenden“.

Im Studienmodul „Grundschulpädagogik“ stehen dann u.a. Inhalte und Kompetenzen aus den Bereichen „Diagnostik“, „Lernausgangslagen und -entwicklungen“ sowie „Differenzierung und Förderung“ im Vordergrund.

Auf diese Weise ist gewährleistet, dass sich alle Studierenden mit der Zielschulart Grundschule, unabhängig von der weiteren fachlichen Spezialisierung, mit der Didaktik des Schriftspracherwerbs und mit der Diagnose und Förderung bei möglichen Problemen im Prozess des Lesenlernens auseinandergesetzt haben.

Studierende, die neben dem Fach Grundschulbildung das Fach Deutsch gewählt haben, beschäftigen sich darüber hinaus in den Modulen „Sprache und Handeln, insbesondere im Kontext von Mehrsprachigkeit“ sowie „Deutschdidaktik als Theorie und Praxis des Deutschunterrichts“ mit dem Bereich Schriftspracherwerb.

Zur weiteren Information empfehle ich Ihnen die Einsichtnahme in die Curricularen Standards für die Lehrerinnen- und Lehrerbildung in Rheinland-Pfalz: www.mbwjk.rlp.de/bildung/schuldienst-und-lehrerberuf/reform-der-lehrerinnen-und-lehrerausbildung.

In dem an das Studium sich anschließenden Vorbereitungsdienst im Studienseminar werden die im Studium und in den Schulpraktika erworbenen Kompetenzen der Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter praxis- und handlungsbezogen vertieft.

Der Bereich Didaktik des Schriftspracherwerbs in den Fachseminaren Grundschulpädagogik und Deütsch umfasst dabei auch diagnostikbasierte Förderstrategien bei Lernschwierigkeiten von Schülerinnen und Schülern.

Ich hoffe, meine Ausführungen verdeutlichen, dass der Lehrerinnen- und Lehrerausbildung in Rheinland-Pfalz die Förderung der Lesekompetenz ein wichtiges Anliegen ist.

Mit freundlichen Grüßen

Vera Reiß

Staatssekretärin

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Unsere Antwort

Sehr geehrte Frau Reiß,

wir bedanken uns für Ihre Antwort auf unser Schreiben: "Recht auf Lesen"
Sie haben aufgeführt, dass die Förderung der Lesekompetenz ein wichtiges Anliegen innerhalb der Lehrerinnen- und Lehrerausbildung in Rheinland-Pfalz ist. Das begrüßen wir natürlich. Bedeutet dies aber, dass Ihr Land bezüglich der sinkenden Lesekompetenz der Kinder keinen weiteren Handlungsbedarf sieht? Falls Sie doch Handlungsbedarf sehen - was hat Ihr Land vor, um den Kindern den Erwerb der notwendigen Lesekompetenz zu gewährleisten und die Lehrkräfte dabei zu unterstützen?

Zu folgenden Punkten haben wir Ihrem Schreiben keine Stellungnahme entnehmen können:

   * Anstelle der gleichschrittigen Unterrichtung der Schriftsprache
     werden individuelle Lernwege der Kinder zugelassen und unterstützt.
   * Bestmögliche individuelle Förderung wird durch in die
     Schulstruktur integrierte Förderkräfte gewährleistet, um
     Stigmatisierung und Selektion vorzubeugen.
   * In besonderen Fällen kann eine spezielle außerschulische Förderung
     ergänzend notwendig sein. Diese darf nicht abhängig gemacht werden
     von einer Einstufung des Kindes als "krank", "gestört" oder
     "seelisch bzw. geistig behindert".

Neben Ihrer Haltung zu diesen Punkten würde uns abschließend interessieren, wieviele Kinder beziehungsweise Jugendliche in Ihrem Bundesland die Schule ohne Abschluss verlassen und inwiefern der fehlende Abschluss mit mangelnder schriftsprachlicher Kompetenz korreliert.

Wir verbleiben mit herzlichem Dank für Ihre Antwort und der Bitte, unser bürgerschaftliches Engagement weiter zu unterstützen.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Kortländer

Und die Antwort des Ministeriums:

Poststelle@mbwjk.rlp.de
www.mbwjk.rlp.de
16.12.2009
Ihre E-Mail vom 23.11.2009


Sehr geehrter Herr Kortländer,


Frau Staatssekretärin Vera Reiß hat Ihr Schreiben gelesen und mich gebeten Ihnen zu antworten.
Zu den von Ihnen benannten Punkten darf ich Ihnen im Folgenden noch zusätzliche Informationen geben.


Individuelle Lernwege von Schülerinnen und Schülern werden grundsätzlich
unterstützt, da in Rheinland-Pfalz jede Schulart und jede Schule der individuellen Förderung der Schülerinnen und Schüler gemäß Schulgesetz verpflichtet ist.
Auch in der Grundschulordnung ist verankert, dass Förderung durch individuell
gestellte Anforderungen an die Kinder erfolgt, die dem jeweiligen Entwicklungsstand angemessen sind. Dabei sind Ermutigungen, Lernhilfen und Lernkontrollen Grundlagen für ein zielgerichtetes Lernen. Zudem ermöglicht die Dokumentation der Lernprozesse bzw. das Erstellen individueller Förderpläne den Lehrkräften eine individuelle Förderung. Hierbei werden individuelle Lernwege zugelassen und unterstützt, auch differenzierte Bildungsangebote spielen eine wichtige Rolle.


Darüber hinaus gehend besteht die Verpflichtung, jedes Kind mit den ihm
angemessenen Hilfen zu fördern, sobald sich Lernprobleme abzeichnen. Diese
Fördermaßnahmen werden in der Regel in zieldifferenten Unterrichtsangeboten innerhalb des Klassenverbandes von der Klassenlehrerin oder dem Klassenlehrer durchgeführt. Dabei werden auch weitere Lehrkräfte als
Doppelbesetzung unterstützend eingesetzt. Weiterhin können zusätzliche
Fördermaßnahmen in Form einer Fördergruppe erfolgen, auch kann eine Kooperation mit speziell ausgebildeten Sonderschullehrerinnen und Sonderschullehrern
stattfinden. Bei einer notwendigen außerschulischen Förderung arbeiten in der Regel alle Beteiligten zum Wohl des Kindes dermaßen zusammen, dass keine Einstufung in bestimmte Kategorien stattfindet.


Zusätzliche Informationen können Sie der Verwaltungsvorschrift "Förderung von
Kindern mit Lernschwierigkeiten und Lernstörungen in der Grundschule" entnehmen.
Zur Unterstützung der Lehrkräfte bieten verschiedene Institute z. B. das Institut für Lehrerfortbildung in Rheinland-Pfalz vielfältige Fortbildungen in Form von Kursen, regionalen Arbeitsgemeinschaften oder Studientagen an den Schulen an.
Bezug nehmend auf Ihre Frage nach Kindern ohne Abschluss, verließen laut der
Schulstatistik im Schuljahr 2008/09 3.342 Schülerinnen und Schüler in Rheinland- Pfalz die Schule ohne einen Hauptschulabschluss, davon waren 1.833 Kinder von einer Förderschule. Eine Korrelation zu mangelnder schriftsprachlicher Kompetenz wurde dabei nicht im Speziellen untersucht.


Mit freundlichen Grüßen
im Auftrag


Sandra Schneider


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