SÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR KULTUS UND SPORT

10. November 2009

Sehr geehrter Herr Kortländer,        

wir bedanken uns herzlich für Ihr Schreiben vom 28.10.2009.

Selbstverständlich teilen wir Ihre Auffassung, dass die Lesekompetenz der Kinder eine wesentliche Voraussetzung für die Aneignung von Wissen und Bildung sowie für die Gestaltung eines selbstbestimmten Lebens ist. Das Sächsische Staatsministerium für Kultus und Sport hat diesen Sachverhalt bereits schon vor längerer Zeit erkannt und durch verschiedene Festlegungen und Maßnahmen der Bedeutung der Lesekompetenz einen sehr hohen Stellenwert in der Grundschule eingeräumt.

  • In Sachsen haben alle Grundschullehrkräfte eine fundierte Ausbildung in Didaktik und Methodik des Deutschunterrichtes.
  • Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl speziell qualifizierter Lehrkräfte, die sich mit dem Problem des Schriftspracherwerbs besonders beschäftigen.
  • Laut Sächsischer Schulordnung Grundschulen- SOGS vom 03.08.2004 Abs. 4 § 13a werden die Schüler der 2. Klassen, bei denen der Verdacht einer LRS be-  steht durch fachlich qualifizierte Lehrkräften diagnostiziert und bei bestätigter LRS durch diese entsprechend gefördert. Im Schuljahr 2008/2009 lernten 2331 Schüler in 184 speziell dafür eingerichteten LRS- Klassen.
  • Schüler mit einer LRS, die keine LRS- Klasse besuchen, werden nach individuellen Förderplänen in der Grundschule unterrichtet.
  • Kinder mit Auffälligkeiten und Lernschwierigkeiten werden laut Sächsischem Grundschullehrplan differenziert gefördert. Die Förderung kann im Klassenverband oder in speziellen Lerngruppen erfolgen (SOGS, Abs. 4,~ 13).
  • Die individuelle Förderung der Schüler mit Teilleistungsschwächen und anderen leistungs- und verhaltensbedingten Besonderheiten wird laut SOGS, Abs. 2, § 5 von den Lehrkräften schriftlich dokumentiert.
  • Ganztagsangebote bieten eine weitere Möglichkeit, außerschulische Partner entsprechend des Förderkonzeptes der Schule, in die individuelle Förderung mit einzubinden. 
  • Die Attraktivität des Lesens spiegelt sich in einer Vielzahl von Projekten und Aktionen wider. Mit Vorlesewettbewerben und Büchergutscheinaktionen in Zusammenarbeit mit der Stiftung Lesen und dem Börsenverein des deutschen Buchhandels wird dem Lesen auch über den Bereich des Unterrichtes hinaus eine große Bedeutung beigemessen.

Wir hoffen, wir konnten Sie davon überzeugen, dass sich das Sächsische Staatsministerium für Kultus und Sport die Förderung von Lesekompetenzen bei Schülern als eine zentrale Aufgabe gestellt hat, an deren Lösung schon langfristig erfolgreich gearbeitet wird.

Mit freundlichen Grüßen

Friedhelm Piepmeyer

Ministerialrat

Schreiben des Sächsischen Kultusministeriums als pdf-Datei (169 KB)



UNSERE ANTWORT (11.11.2009):

Sehr geehrter Herr Ministerialrat Piepmeyer,
sehr geehrte Frau Bauer,

nach Absprache mit Ihnen, Frau Bauer, dürfen wir Ihnen per Mail für Ihr Schreiben vom 10. November herzlich danken.
Zwei Punkte möchte ich kurz aufgreifen.
Aufgrund der zunehmend mangelnden schriftsprachlichen Fähigkeiten der Kinder und Jugendlichen ist es dringend erforderlich, dass nicht nur eine Vielzahl, sondern ALLE Grundschulkräfte fundiert zur Didaktik des Schriftspracherwerbs und zu möglichen Problemen im Prozess des Lesenlernens ausgebildet oder weitergebildet werden.
Wir halten es nicht für hilfreich, wenn betroffene Kinder aus dem Klassenverband ausgegliedert werden. Vor allem dürfen sie nicht gezwungen sein, ihre Schule zu verlassen.
Im §13a Ihrer Schulordnung, der die LRS-Klassen betrifft, kommt ein Grundproblem zum Ausdruck, das viele Eltern aber auch Lehrkräfte verärgert (in Bayern sagen wir: narrisch macht): Es handelt sich, wie in den meisten Bundesländern, um Kann-Vorschriften, nicht aber um die eigentlich selbstverständliche Pflicht des Landes - der Schulen - diesen Kindern zur Seite zu stehen. Natürlich gibt es viele Schulen, die sehr engagiert sind. Es gibt aber leider immer noch zu viele Schulen, in denen diese Problematik nicht zur Kenntnis genommen oder gar geleugnet wird.
Eine kürzlich abgeschlossenen Online-Umfrage bestätigt, dass in allen Bundesländern in den angesprochenen Bereichen ein Defizit zu beklagen ist.
Daher erlauben Sie uns bitte die Frage: Sehen Sie, sieht das SMK Sachsen im Bereich LRS noch Handlungsbedarf? Glauben Sie nicht auch, dass durch die Maßnahme, allen Lehrkräften eine entsprechende Ausbildung zu geben, viele gesellschaftliche Folgekosten überflüssig würden, von individuellem und familiärem Leid und anderem ganz zu schweigen?

Mit freundlichen Grüßen und der Hoffnung auf eine positive Zusammenarbeit von Land und bürgerschaftlichem Engagement.

Michael Kortländer


Eine Bitte: Wenn Sie aus Sachsen sind und uns als Eltern oder Lehrer Erfahrungen mitteilen können, sind wir sehr dankbar!



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