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Tipps für Eltern
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Hilfen für Kinder

Tipps der Lehrkräfte an Kolleginnen und Kollegen

Um den Aufforderungscharakter der Ratschläge der Lehrkräfte zu erhalten, wurden die Texte teilweise in fiktiver wörtlicher Rede zusammengefasst. Kursiv gedruckt sind wörtliche Zitate aus der Umfrage.

Eigene Haltung gegenüber Lernproblemen von Kindern entwickeln

Kollegen, bewahrt Ruhe. Zunächst müssen wir die Probleme der Kinder überhaupt wahrnehmen und Achtsamkeit gegenüber besonderen Lernschwächen entwickeln, das Kind aufmerksam beobachten und uns sensibilisieren.
Wir müssen Kinder da abholen, wo sie stehen und uns, wie den Kindern klare Ziele setzen. Dabei gilt es, Entwicklungsunterschiede zu akzeptieren, die LRS nicht über zu bewerten und das Gespräch mit betroffenen Schülern zu suchen.
Geduld haben, Optimismus, positiv denken, Kopf hoch, Gelassenheit, mehr Rücksichtnahme – das sind unsere Empfehlungen an euch.

Kinder im Unterricht und bei Prüfungen unterstützen

Die Antworten der Lehrkräfte machen deutlich, dass sie zahlreiche Mittel und Methoden zur Hand haben, um betroffene Kinder innerhalb der schulischen Situation zu unterstützen.

Konkrete Hilfestellung können beispielsweise sein:

  • mehr Zeit geben - Verlangsamte  schriftliche Aufgaben"
  • vorlesen
  • mündliche Übungen
  • weniger Hausaufgaben/HA-Gutscheine
  • Rechtschreibung nicht überbewerten
  • nicht mit Rotstift Rechtschreibfehler korrigieren
  • Üben an Schwerpunkten
  • Diktate vermeiden
  • auf Inhalte konzentrieren
  • Differenzierung
  • regelmäßige Wiederholungen/Üben
  • Dosiert üben, d.h. nicht an verschiedenen Baustellen gleichzeitig arbeiten!
  • Druckschrift ausführlich lernen, länger Druckschrift schreiben

Dabei ist es nach Ansicht der Lehrkräfte notwendig, auch die eigene Arbeitsweise anzupassen:

  • Vorbild sein
  • weniger Regeln, aber Struktur
  • mit Strategien arbeiten, Konsequenz
  • handelnd lernen
  • kooperatives Lernen
  • möglichst ganzheitliche Übungsangebote
  • Dialogisch arbeiten

In der konkreten Unterrichtsgestaltung kann das wie folgt aussehen:

  • systematischer Aufbau der Rechtschreibung (Mitsprech-, Nachdenk- und Lernwörter)
  • Literaturauswahl: alles, auch Comics, zur Motivation und Förderung
  • abwechslungsreiche Leseübungen anbieten
  • Mehr Bildmaterial verwenden

Förderdiagnostik anwenden

Wir müssen frühzeitig eine genaue Diagnose der Fehlerschwerpunkte vornehmen. Die Förderung sollte dann an den Fehlerschwerpunkten ansetzen. Mit entsprechender Fehleranalyse können individuelle Programme, ein Förderplan und gezielter Förderunterricht eingesetzt werden. Beispielsweise können regelmäßig ab der 1. Klasse valide Testverfahren zum Lesen und zur Rechtschreibung durchgeführt werden. Auf deren Ergebnisse können wir fachgerecht und individuell reagieren.

Fördermethoden und -material einsetzen

"Fördern, fördern, fördern - immer wieder Förderangebote machen" – dieses Zitat fasst einen großen Teil der Tipps der befragten Lehrkräfte recht gut zusammen. Lehrer können variationsreiche und ansprechende Lernmedien einsetzen, sie können zusätzliches sinnvolles Material für die betroffenen Kinder vorbereiten sowie verschiedene Übungsformen wählen. Konkrete Materialien, die hier genannt wurden sind: FRESCH-Methode, Online-Übungen von LegaKids, KlexLernsoftware, neue JOJO-Reihe, Konzept von LolliPop, Antolin.
Gleichzeitig gilt: "Verzettelt euch nicht, erstickt die Kinder nicht mit Zusatzmaterial."

Welche grundsätzlichen Fördermethoden empfehlen Lehrkräfte ihren Kollegen und Kolleginnen?

  • Phonologische Bewusstheit als Basis für Schriftspracherwerb fördern – dazu gehören Rhythmusübungen, Lautierung, Gedichte und Reime, auditive Wahrnehmungsförderung
  • Silbenmethode anwenden
  • Wörter verlängern
  • Unterschied langer/kurzer Selbstlaut
  • Differenzierung G/K, D/T ...
  • Stammbewahrung
  • visuelle Wahrnehmungsförderung
  • inidividuelle Wörterkarteien

Weitere Tipps an die Lehrerkolleginnen und -kollegen: Lasst Kinder vermehrt am PC arbeiten. Lasst sie auch schriftliche Arbeiten am PC verfassen, so dass die Schrift lesbarer ist. Nutzt das Internet und die dort angebotenen Hilfsmittel. Wie wäre es, Lesepässe mit Belohnungssystem einzuführen und / oder Lesepaten (z.B. Mütter ...) in die Schule holen? Die Leseförderung kann durch rege Nutzung der Schülerbücherei, durch die Teilnahme am Vorlesewettbewerb, Zeitschriften in die Schulen und durch weiter mögliche Projekte attraktiver gestaltet werden.

Erfolge ermöglichen – keinen Druck aufbauen

Dieser Bereich erhält trotz übersichtlichen Inhalts eine Extra-Überschrift, da er von den Lehrkräften besonders häufig erwähnt wurde. "Kleine Schritte loben", "Erfolgserlebnisse ermöglichen", "keinen Druck aufbauen", "Ängste nehmen" und "Kinder nicht stressen" – so bringen die Lehrerinnen und Lehrer einen zentralen Tipp für ihre Kollegen auf den Punkt.

Kinder stärken

Es ist beeindruckend zu lesen, wie die Lehrkräfte hinter den betroffenen Kinder stehen und deren Nöte, aber auch deren andere Begabungen sehen.

Tipps: Erkennt die Anstrengungsbereitschaft der Kinder, hebt das Ansehen der Kinder in der Klasse, indem ihr deren Stärken betont. Soziale, handwerkliche-praktische, musische Intelligenz und die Fantasie sind ebenso wichtig wie Lesen und Schreiben. "Du bist ja ein Fachmann in …" Mit Vertrauen in die Stärken des Kindes erreichen wir Lehrerinnen und Lehrer wesentlich mehr als mit der Konzentration auf Schwächen. Bitte denkt daran: Insgesamt brauchen Kinder mit LRS / Legasthenie vor allem Verständnis von uns Lehrkräften und eine positive, besondere Zuwendung.

Mit Eltern eng zusammenarbeiten

Lehrkräfte raten ihren Kolleginnen und Kollegen immer wieder, "die Eltern mit ins Boot zu holen". "Arbeitet mit betroffenen Eltern eng zusammen", "pflegt intensiven Kontakt".

Außerschulische Angebote empfehlen

Häufig ist es notwendig, Eltern auf eine mögliche LRS- bzw. Legasthenie-Testung hinzuweisen oder eine ärztliche Untersuchung der Sinnesorgane. Oft genügt die schulische Förderung für betroffene Kinder nicht, dann ist es auch Aufgabe von uns Lehrkräften mit den Eltern gemeinsam eine geeignete Therapie einzuleiten, bzw. die Eltern zu diesem Thema kompetent zu beraten. Dazu, so sagen viele Lehrkräfte, benötigen wir die Zusammenarbeit mit externen LRS- Instituten und Experten.

Eigenes Wissen erweitern und weitergeben

"Kollegen, nutzt Fortbildungsmöglichkeiten in diesem Bereich" – das ist ein häufiger und zentraler Tipp von Lehrern für Lehrer: Dadurch lernen wir, sehr früh auf evtl. Schwächen zu achten und Schwierigkeiten bereits in der 1. Klasse sensibel zu beobachten. Eignet euch möglichst viel Wissen um die psychosoziale und emotionale Entwicklung von Kindern an. Es gilt, unseren diagnostischen Blick zu schärfen, neue Erkenntnisse in Bezug auf das Lesen- und Schreibenlernen anzuwenden und unterschiedliche Lernvoraussetzungen zu beachten. In spezifischen Fortbildungen sollten wir uns auch selbst Förderkompetenz aneignen.

Neben dieser Entwicklung der eigenen Kompetenzen regen einige Lehrkräfte ihre Kolleginnen und Kollegen in der Grundschule dazu an, wichtige Informationen an weiterführende Schulen weiterzugeben: Absprachen und Austausch mit allen Beteiligten, z.B. auch Beratungslehrern und Schulpsychologen sind notwendig. 

Spielräume bei der Benotung nützen

Eine "Rechtschreibschwäche darf nicht diskriminieren", so das Credo einer Lehrkraft. Die Rechtschreibung dürfe daher innerhalb der Deutschnote nicht gewertet werden bzw. die Rechtschreibnoten sollten nicht so stark gewichtet werden. (Anm. LegaKids: Die Handhabung der Bewertung und Benotung bei LRS bzw. Legasthenie ist in jedem Bundesland unterschiedlich geregelt.)

Jede Lehrkraft soll den LRS-Erlass des eigenen Bundeslandes verinnerlichen und die Kinder entsprechend fördern und beurteilen. Dabei kann der Nachteilsausgleich vielfältig gestaltet werden, so dass auch LRS-Kinder Erfolge verbuchen können. Außerdem soll LRS in allen Fächern berücksichtigt werden.

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Auswertung

Zusammenfassung der Auswertung

Sie können sich die gesamte Auswertung als pdf-Datei (241 KB, 26 Seiten) herunterladen.

1. Teil: Ausbildungsstand der Lehrkräfte zum Schriftspracherwerb
2. Teil: Definitionen von LRS / Legasthenie
3. Teil: Belastung und Förderung der Kinder mit LRS / Legasthenie
4. Teil: Erwartungen der Lehrkräfte
5. Teil: Tipps der Lehrkräfte

Fragebogen

Lehrerfragebogen 2010 als PDF (1,3 MB)

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Aktuelles aus dem LRS-Blog

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