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Ergebnisse der Lehrerumfrage 2010 - Zusammenfassung

Um einen Eindruck der derzeitigen Situation der Lehrer und der Kinder mit Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben im deutschsprachigen Raum zu erhalten, haben sich 550 vorwiegend Grund- und Hauptschullehrerinnen und -lehrer für das Fach Deutsch an der umfangreichen Online-Befragung von LegaKids.net beteiligt.

Erschreckende Entwicklung in den Augen der Lehrer

Knapp 75% (n 489) der befragten Deutschlehrkräfte sagen: Es entspricht der Realität, dass der Prozentsatz der Kinder steigt, die in der Schule nur eine unzureichende Lesekompetenz erreichen. Und 60% sind der Meinung: Es entspricht es der Realität, dass mehr und mehr Kinder als gestört, krank oder behindert eingestuft werden und ihre Schwierigkeiten aus dem schulischen Aufgabenbereich ausgegliedert werden.

Ausbildung der Lehrkräfte

Die Antworten der Lehrkräfte belegen nachdrücklich, dass die Lehrerausbildung den Grundanforderungen an Basiswissen, Didaktik und  Pädagogik im Bereich Schriftspracherwerb bislang nur ungenügend Rechnung trägt. So sind nur 17%  der Deutschlehrer der Meinung, dass in ihrem Bundesland während des Studiums eine Ausbildung zur Didaktik des Schriftspracherwerbs und zu möglichen Problemen in dem Prozess des Schriftspracherwerbs  verpflichtend gegeben ist. Entsprechend gibt ein großer Teil der Deutschlehrkräfte an, in der Didaktik des Lesens und Schreibens ungenügend ausgebildet zu sein.

Und wenn bei einzelnen Kindern Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben hinzu kommen, sieht es noch schlechter aus: Zwei von drei Deutschlehrern haben keine Ausbildung erhalten, um Probleme der Kinder beim Schriftspracherwerb zu erkennen und diesen zu begegnen. Selbst  von den Deutschlehren, die als LRS-Förderkraft eingesetzt werden hat fast die Hälfte für diese Tätigkeit gar keine Ausbildung erhalten. Entsprechend halten 67% der LRS-Förderkräfte die Bedingungen für den Förderunterricht an ihrer Schule  für unzureichend. 

Belastung der Kinder

Insgesamt schätzen die Lehrer die schulische und seelische Belastung der Kinder mit LRS / Legasthenie / Dyslexie etc. als sehr hoch ein. Dennoch halten 80% der Deutschlehrer es für nicht empfehlenswert, dass Kinder als "behindert" oder "krank" diagnostiziert werden, um eine finanzielle Förderung, einen Nachteilsausgleich in der Schule oder eine Legasthenietherapie zu erhalten. Gleichzeitig sind ebenfalls 80% der Lehrkräfte der Meinung, dass die schulische Unterstützung und Förderung dieser Kinder nicht zufriedenstellend ist.

Erwartungen an Politik, Schule und LegaKids

Die Hoffnungen, Wünsche, Erwartungen und Forderungen der Lehrkräfte an Politik und Schule sind sehr vielfältig. Sie zeigen einerseits, wie unzufrieden Lehrerinnen und Lehrer mit der Situation sind, andererseits, wie stark sie sich für ihren Beruf und die ihnen anvertrauten Kinder engagieren. 

Teilleistungsschwächen wie LRS finden in der Schule zu wenig, in der Politik kaum Resonanz - daher ist eine effiziente und effektive Förderung nur selten möglich. Die Lehrkräfte erwarten, dass Politiker die Defizite im Schulwesen offen aussprechen - erst dann kann sich Offenheit und Aufgeschlossenheit für gute Konzepte einstellen. So ist schon während des Studiums eine fundierte "LRS"-Ausbildung für Lehrkräfte unbedingt erforderlich. Besonders wichtig ist den Lehrern in diesem Zusammenhang, dass Kinder in Zukunft wegen ihrer Lernschwächen nicht als krank, gestört oder seelisch behindert dargestellt werden müssen, um eine Förderung zu erhalten. Von LegaKids erwarten die Lehrkräfte daher eine Lobbyarbeit im Sinne der Kinder – neben der konkreten Unterstützung ihrer eigenen Arbeit durch die Online-Lernangebote von LegaKids.

Tipps der Lehrer und Lehrerinnen an Eltern, Kollegen und Kinder

Dreh- und Angelpunkt der Lehrertipps an Eltern, Kolleginnen, Kollegen und Kinder ist die Stärkung des Selbstbewusstseins der Kinder. Dabei ist für die Lehrkräfte ein offener Umgang mit den Lese-Rechtschreibschwierigkeiten zentral. Diese Offenheit und Klarheit ermöglicht eine positive Kommunikation und Kooperation zwischen Lehrkräften, Eltern und Kindern. „Ruhe und Geduld bewahren“ – auch dieser häufige Tipp richtet sich sowohl an Eltern als auch an Kollegen und betroffene Kinder.

Den Eltern geben die befragten Lehrkräfte noch einige Extra-Tipps mit: Viel erzählen, sprechen, vorlesen, singen sowie spielerisch die Wahrnehmung, Konzentration und Sprache der Kinder fördern – in diesen Bereichen können Eltern im Alltag sehr viel erreichen. Parallel dazu ist es sinnvoll, sich gut zu informieren und wenn nötig Hilfe von außen zu suchen bzw. anzunehmen. Gleichzeitig bitten viele Lehrkräfte die Eltern darum, eine Pathologisierung der Schwierigkeiten ihrer Kinder zu vermeiden.

Den eigenen Kolleginnen und Kollegen haben die Lehrkräfte besonders viel zu sagen. Sie beschreiben dezidiert, wie Lehrkräfte eine förderliche Haltung gegenüber den Lernproblemen von Kindern entwickeln, Kinder konkret im Unterricht und bei Prüfungen unterstützt und Spielräume bei der Benotung genützt werden können. Daneben plädieren sie für eine fundierte Förderdiagnostik und entsprechende Fördermethoden. Für jeden dieser Bereiche halten die Lehrkräfte konkrete Tipps bereit.

Die Tipps und Ratschläge für betroffene Kinder sind von hohem Einfühlungsvermögen gekennzeichnet. An sich selbst zu glauben, die eigenen Stärken zu betonen und auszubauen und gleichzeitig Hilfsmittel, -programme und –medien zu nützen – ist eine grobe Zusammenfassung. Die Lehrkräfte beschreiben außerdem spezielle unterstützende Strategien und raten, vor allem das Lesen in den Vordergrund zu stellen. 

Zusammenfassende Bewertung:

Die Auswertung der LegaKids-Lehrerumfrage 2010 ist abgeschlossen. Es ist ein enormer Fundus an Erfahrungen, Wissen und Ratschlägen, den die befragten Lehrkräfte anderen Lehrkräften, Eltern, Förderkräften und auch Kindern zur Verfügung gestellt haben.

Die Ergebnisse wurden detailliert zusammengestellt und sind sowohl online als auch als pdf-Datei (241 KB / 26 Seiten) abrufbar.

Hier nur einige zentrale Punkte: Nahezu alle Lehrkräfte beklagen, dass ihre Ausbildung im Bereich Didaktik der Schriftsprache und insbesondere zu Schwierigkeiten beim Schriftspracherwerb mangelhaft sei. Nach Kräften setzen sie sich dennoch für Kinder mit LRS oder Legasthenie ein, die sie als stark belastet erleben. Sie versuchen daher, ihre Handlungsspielräume im Sinne der Kinder zu nützen, was sie auch ihren Kolleginnen und Kollegen ans Herz legen. Gleichzeitig warnen zahlreiche Lehrerinnen und Lehrer vor einer Pathologisierung der Lernprobleme von Kindern. Teilweise entstünden diese Probleme auch durch das schulische System.

Neben vielen konkreten Tipps, Ratschlägen und Hilfestellungen legen die Lehrkräfte besonderen Wert auf die Stärkung des Selbstbewusstseins der Kinder, auf einen offenen Umgang mit Lernproblemen und eine positive Kommunikation sowie Kooperation zwischen Schule, Lehrern, Eltern und Kindern.

Sicher haben sich an dieser Umfrage vor allem Lehrkräfte beteiligt, die auf die eine oder andere Art intensiver mit LRS / Legasthenie beschäftigt sind, da sie überhaupt den Weg zu LegaKids gefunden haben. Dennoch sind Engagement und Sichtweisen sowie Tipps der Lehrkräfte in ihrer Fülle und Differenziertheit beeindruckend.  

Wir möchten uns daher an dieser Stelle nochmals bei allen Lehrkräften bedanken, die sich die Zeit genommen haben, an der LegaKids-Umfrage teilzunehmen. 

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Auswertung

Zusammenfassung der Auswertung

Sie können sich die gesamte Auswertung als pdf-Datei (241 KB, 26 Seiten) herunterladen.

1. Teil: Ausbildungsstand der Lehrkräfte zum Schriftspracherwerb
2. Teil: Definitionen von LRS / Legasthenie
3. Teil: Belastung und Förderung der Kinder mit LRS / Legasthenie
4. Teil: Erwartungen der Lehrkräfte
5. Teil: Tipps der Lehrkräfte

Fragebogen

Lehrerfragebogen 2010 als PDF (1,3 MB)

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