Der schwarze Schrank

Gruselgeschichte von Frederike, VLG Stade, Klasse 7nat

Der Geisterkopf erzählte den Kindern in seinen Gedanken:

"Als ich zehn Jahre alt war, zog ich mit meinen Eltern und meinem achtjährigen Bruder Niklas in eine andere Stadt, weil mein Vater dort ein altes Haus von seiner verstorbenen Tante, die dort alleine gelebt hat, geerbt hat. In dieses Haus zogen wir ein. Ich musste deswegen auch die Schule wechseln und in der neuen Schule hatte ich noch keine Freunde gefunden. Meinem Bruder ging es genauso. Wenn wir mit den Hausaufgaben fertig waren, haben wir unser neues Zuhause erkundet.

Eines Tages wollten wir den Dachboden durchstöbern, weil meine Mutter gemeint hatte, dass dort viel Gerümpel herumstehen müsste. So gingen wir die wackelige und knarrende Dachbodentreppe hoch und ich öffnete vorsichtig die Klappe. Ein moderiger Geruch und eine Menge Staub kamen mir entgegen. Ich wischte ihn mir aus den Augen und ging weiter. Auf dem Dachboden war es dunkel, aber zum Glück hatte ich meine Taschenlampe mitgenommen. Ich schaltete sie ein und suchte den Lichtschalter, aber es gab keinen.

Der Dachboden war in zwei Teile unterteilt. Sie wurden durch einen riesigen schwarzen, verschnörkelt verzierten Schrank getrennt. Ich schlug Niklas vor, erst die linke Seite zu nehmen und er war einverstanden. Wir gingen an dem Schrank vorbei und ich hörte merkwürdige Geräusche. Ich schaute meinen Bruder an, um zu sehen, ob er auch etwas bemerkt hatte. Aber er ging schnurstracks auf eine Truhe zu, die in der Mitte der linken Hälfte stand und ich dachte, dass ich mir das nur eingebildet habe. Ich würde später in den Schrank gucken und... aber weiter konnte ich nicht denken, denn Niklas rief mich zu sich. Er zeigte mir Fotos von meiner Tante und einem Mann, den ich nicht kannte, und eine alte Zeitung. Da rief uns Mama zum Essen und ich sagte zu Niklas, er solle die Sachen mitnehmen und in sein Zimmer legen.

Nach dem Essen schlossen wir uns in seinem Zimmer ein, um die Zeitung zu lesen. Ich fand eine Todesanzeige über meinen Onkel, den ich nicht gekannt habe, und einen Artikel über einen mysteriösen Todesfall- der Tod meines Onkels.
In dem stand:
Der 53-jährige Michael Krämer wurde am Abend des 12. Novembers 1989 gegen 22 Uhr in seiner Wohnung tot im Schrank gefunden. Vermutlich ist er dort erstickt, weil die Schranktür von außen abgeschlossen war. Da die Polizei keine Hinweise von fremden Personen gefunden hat, gehen sie nicht von Mord aus. Die ganze Stadt ist in Angst und Schrecken versetzt, weil sie nicht wissen, was dahinter steckt. Nach Angaben seiner Frau war er am Nachmittag noch wohl auf; gegen 17 Uhr ist sie dann zu einer Freundin gefahren und als sie wieder kam, hörte sie Schreie aus dem Schlafzimmer, worauf sie nach oben ging, um zu sehen, was los war. Die Schreie hörten auf und sie fand ihren Ehemann, der von Nebelschwaden umhüllt war, tot im Kleiderschrank.
Die Frau erlitt einen großen Schock und musste psychologisch behandelt werden.
Die Polizei ermittelt weiter und Hinweise bitte unter 08820/324414 melden.

Ich starrte auf das Bild neben dem Artikel und musste schlucken. Das konnte nicht sein. Das musste einfach Zufall sein. Meine Tante hätte den Schrank niemals aufbewahrt. Oder hat sie etwa doch ...? Ich bekam Gänsehaut. Da fragte mein Bruder mich, was denn sei. Ach nichts, log ich schnell. Da bemerkte ich, dass nur ich auf den Schrank geachtet und die Geräusche gehört hatte.

Nachts träumte ich die Geschichte von meinem Onkel. Die ganze Geschichte. Als hätte sie jemand in meine Gedanken gebracht. Ich wachte schweißgebadet auf und auf einmal wusste ich was los war. Aber ich zwang mich normal zu atmen. Das war nicht möglich. Geradezu unmöglich. Ich steigerte mich da in etwas herein, das gar nicht existierte. Ich hatte einfach zu viel Fantasie. Oder träumte ich immer noch? Nein, ich war wach, da war ich mir sicher! Einfach die Augen schließen und schlafen, ermahnte ich mich. Irgendwann schaffte ich es mich zu beruhigen und ich nahm mir vor, morgen in den Schrank zu schauen.
Aber dazu kam ich nicht, denn die Lehrer gaben uns mal wieder Massen von Hausaufgaben auf- typisch!

Als ich dann auf den Dachboden stieg, ging ich lieber alleine- aber das hätte ich nicht machen sollen. Ich hatte meine Taschenlampe schon griffbereit, weil es dort oben immer noch kein Licht gab.
Langsam ging ich auf den Schrank zu. Er sah genauso aus wie auf dem Foto: kohlrabenschwarz und mit vielen Mustern verziert. Und wieder hörte ich die Geräusche. Hunderte von Stimmen füllten den Raum und sie riefen meinen Namen. Immer und immer wieder. Ich wollte stehen bleiben. Am liebsten wieder zurück. Zurück, in mein richtiges Zuhause. Aber ich konnte nicht. Als würden Magnete mich vorwärts schieben. Und das gegen meinen Willen. Ich öffnete langsam den Schrank. Die Türen knarrten. Mir kam ein nebeliges weiß entgegen und da sah ich ihn. Einen glühenden Geisterkopf. Nur der Kopf glühte. Sonst nichts. Die Augen waren grüne Schlangen, die sich in meine Richtung schlängelten. Sie erzählten mir eine Geschichte. Die Geschichte meines Onkels. Und sie war meinem Traum sehr ähnlich. Da befand ich mich plötzlich in einem Nebel. Ich konnte nichts, aber auch gar nichts, sehen. Ich fühlte mich wie in einem Gefängnis, aus dem ich nie wieder heraus kommen würde. Ich versuche mich zu befreien- aber vergeblich. Ich spürte einen kräftigen Windstoß, der mich mitriss und fast zu Boden drückte. Stattdessen wurde ich durch die Luft geschleudert. Immer und immer schneller. Ich konnte nicht schreien und ich wusste auch nicht wo ich war. Auf einmal knallte ich gegen etwas. Es war hart und dunkel. Ich saß in einem Schrank. Und ich kam nicht mehr heraus.

Wie in meinem Traum!!

Ich bin ein Geist geworden und muss in dem Schrank wohnen, bis ein Nachfolger gefunden wird. Und jetzt seid ihr an der Reihe!!!"

Lega und Steni standen starr vor Schreck. Sie konnten sich nicht bewegen. Und plötzlich hüllte sie dichter Nebel ein ...!

Ende 

 

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