"Rache ist ..."

Lega ist wütend auf ihren Lehrer.

"Dieser Mistkerl!" Lega war immer noch wütend.

"Mensch, Lega, du weißt doch wie der ist." Steni versuchte Lega zu trösten.

"Warum holt er einen immer an die Tafel? Gerade dann, wenn er genau weiß, dass man es nicht kann."

"Manchen macht es halt Spaß, wenn Kinder sich blamieren."

"Aber er ist doch Lehrer, der darf das doch nicht."

"Viele Menschen dürfen vieles nicht."

"Jetzt komm mir bloß nicht mit deinen klugen Sprüchen," maulte Lega.

Steni kratzte sich am Kopf. "Ich hab's," sagte er und schaltete die Reflektor-Maschine ein.

Lurs schießt ein Feuerwerk ab.

"Hi, Lurs," grüßte Steni als er das Monster entdeckt hatte. Lurs fläzte sich unter dem Tisch auf den flauschigen Teppich.

"Du schon wieder mit deiner blöden Maschine," brummelte und spotzte er.

"Reg dich ab." Stenis Stimme wurde freundlicher. "Lurs, können wir nicht mal zusammenarbeiten statt uns nur zu bekriegen?"

"Ne, können wir nicht", schnappte Lurs.

"Pass auf, wie wäre es damit?" Steni kroch zu Lurs unter den Tisch und flüstere ihm was in die Lauscher. Lurs brüllte vor Lachen und schoss aus seinem Feuerschwanz ein Feuerwerk ins Zimmer.

Am nächsten Tag war Schulfest. Alle Kinder und Lehrer hatten sich in der Aula versammelt. Direktor Dr. Lars Plagmich trat an die große grüne Tafel, die zu diesem Zweck aufgestellt war, und wollte den Ablauf des Festes erläutern.

Die Tafel scheint verhext zu sein.

"Hier habe ich alles hin geschrieben", sagte Direktor Plagmich und zeigte mit seinem Laserpointer auf Punkt Eins:

"Zuerst, liebe Kinder, sehen wir das Theaterstück mit dem Titel 'Das Mädchen mit dem goldenen Zopf'."
"Da steht aber was ganz anderes!", rief Steni, der sich ganz nach vorne gestellt hatte. Einige Kinder lachten.
"Äh", machte der Direktor. Tatsächlich, auf der Tafel stand:

Lass Mähen mir den holden Zopf.

Lehrer Wurl eilte Direktor Plagmich zur Hilfe. Er wischte den Satz aus und schrieb:

Lars sehen wir hier, den hohlen Kopf.

"Aber Herr Kollege, ich muss doch sehr bitten", sagte Direktor Plagmich, dessen Vorname ja Lars war. Die Kinder stießen sich an, grinsten und kicherten. Und ein paar Mädchen kreischten wie verrückt. Direktor Plagmich und Lehrer Wurl bekamen ganz rote Ohren, so schämten sie sich.

Diesmal lachen die Kinder über die Lehrer.

Der Deutschlehrer Tim Hemmrich trat vor, um den Lehrerkollegen aus der Patsche zu helfen, obwohl seine Frau Käthe ihn zurückhalten wollte. Er wischte den Satz aus und schrieb: 
"Darf"
Die Kinder jauchzten. 
"Käthchen"
Alle Kinder johlten lauthals. Deutschlehrer Hemmrich schwitzte und zitterte, aber seine Hand malte Buchstaben für Buchstaben:
"an"
Die Aula bebte. Verzweifelt zerrte Käthchen Hemmrich am Ärmel ihres Mannes. 
"Tim"
schrieb quietschend die verhexte Kreide. Die Kinder quietschten mit. 
"Hosen"
Der Lärm war nicht mehr zu überbieten. Alle Lehrer standen auf der Bühne wie begossene Pudel, puterrot im Gesicht. Tim Hemmrich aber war nicht zu bremsen: 
"Knopf"

"Falsch, falsch, das ist falsch! Tims, muss das heißen, Tims!", schrie Steni außer sich vor Vergnügen.

Jetzt gab es kein Halten mehr. Die Kinder tanzten, trampelten, schrien. Viele wälzten sich vor Lachen auf dem Boden. Lega begann zu singen. Schon sang die gesamte Schülerschar: 

"Darf Kätchen an Tims Hosenknopf,
darf Kätchen an Tims Hosenknopf."

Lega bedankt sich bei Lurs.

Der Direktor, der Deutschlehrer, Kätchen Hemmrich und Tim Hemmrich, ja alle anwesenden Lehrerinnen und Lehrer, wären am liebsten im Boden versunken.

Unbemerkt ging Lega zur Tafel, strich über die dunkelgrüne, leicht schuppige Fläche.

"Danke, Lurs", sagte sie leise, "eigentlich könnten wir Freunde werden."

"Na, na, na, na, na", brummelte Lurs, der sich in die Tafel verwandelt hatte. "Lustig war es, aber übertreiben wollen wir auch nicht."

Ende

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