LRS: Was können Eltern tun?

Schützen Sie sich und Ihr Kind

Den Kindern und ihren Eltern machen Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben und Rechnen oftmals schwer zu schaffen.

Die Kinder selbst verstehen nicht, was mit ihnen los ist, sie zweifeln an sich und fühlen sich als Versager. Unverständnis von überforderten Lehrkräften oder Eltern verschärft die Situation. Nicht selten verhindern mangelndes Selbstwertgefühl und fehlende Unterstützung die Chancen der Kinder auf eine gesunde Entwicklung ihrer Persönlichkeit. Deshalb ist das wichtigste, früh eine geeignete Förderung für ein Kind zu finden. Denn Kinder mit ausgeprägten Schwierigkeiten im Lesen und/oder Schreiben profitieren von einer individuellen Förderung und können ihre Fähigkeiten oft stark verbessern.

Je früher die Schwierigkeiten und mögliche Ursachen erkannt werden und je früher die Kinder systematisch dort gefördert werden, wo sie es brauchen, desto größer sind die Chancen, dass sie die Schulzeit gut für ihre Bildung nutzen können. Man kann Kinder gleichzeitig darin unterstützen, trotz ihrer Probleme auf ihre sonstigen Stärken und Fähigkeiten zurückzugreifen und ihr Potential weiterzuentwickeln.

Aber was können Eltern konkret tun? Hier finden Sie die wichtigsten Tipps für Eltern.

 

Auf sich selbst achten:

Vor allem: Achten Sie auf sich selbst. Wer genervt ist oder sich ärgert, kann beim Kind nicht viel bewirken. Die Sorge um die Schulnoten darf die Zuneigung zum Kind niemals überwiegen.

Wenn Sie ihr Kind bei den Hausaufgaben oder bei Lese- und Schreibübungen begleiten: In dem Moment, wo Sie als Mutter oder Vater unruhig, ungeduldig oder ärgerlich werden, ist es höchste Zeit, das gemeinsame Üben für diesen Tag zu beenden! Tauschen Sie öfter mal die Rollen: Das Kind ist Vater, Mutter oder Lehrer und Sie sind das Kind. Machen Sie Fehler, lesen Sie ruhig mal schlecht, damit ihr Kind etwas zu verbessern hat. Üben Sie jeweils nur eine von dem Kind gemeinsam mit Ihnen begrenzte Zeit. Halten sie diese Zeitvereinbarung ein, z.B. 15 oder 20 Minuten, auch wenn ihr Kind danach weitermachen möchte. Wenn Sie durch andere Dinge bereits unter Stress stehen, verzichten Sie sich und dem Kind zuliebe auf das Üben. Ausnahme: Sie freuen sich sehr darauf. Loben Sie nicht alles. Loben Sie dann, wenn Sie es auch wirklich so meinen. Und übrigens: Eine halbe Stunde gemeinsames entspanntes, fröhliches Spiel nutzt ihrem Kind auch für den Schulalltag mehr, als zehn Stunden verkrampftes "Lernen".

 

Lebensfreude erhalten

Der Verlust von Lebensfreude kann weder das Interesse der Kinder noch der Eltern sein. Ermutigen Sie das Kind nach Kräften. Die Kinder haben viel mehr Gründe verzweifelt zu sein, als wir Eltern. Sie sind es, die geforderte Leistungen nicht bringen, sie sind es, die gehänselt werden, sie verlieren ihr Selbstbewusstsein, ihren Mut und ihre Lebensfreude. Und nicht zuletzt glauben sie, dass sie ihre Eltern enttäuschen und die Liebe ihrer Eltern nicht verdienen. Vergessen Sie im Alltag nicht, Ihrem Kind zu zeigen, wie sehr Sie es lieben – ganz unabhängig von seinen Lernleistungen. 

 

 Je höher der Druck (Zwang), desto unfreiwilliger das Lernen, desto geringer der Übungserfolg. Je mehr Freude, desto größer die Freiwilligkeit, desto besser der Lernerfolg. Meist scheitern die Kinder an den Erwartungen, die an sie gestellt werden. Die Anforderungen niedrig halten, kleine Schritte ins Auge fassen, dann kann man Erfolge feiern.

 

Stärken stärken schwächt Schwächen

Knüpfen Sie an dem an, was ihr Kind schon gut kann. Sie erreichen Ihr Kind am besten, wenn sie auf seine Fähigkeiten zurückgreifen und diese einsetzen können. Machen Sie sich alle Begabungen, Talente und Fähigkeiten Ihres Kindes bewusst. Oft schauen Eltern wie hypnotisiert auf die Defizite ihres Kindes. Die Lernfreude des Kindes bewahren und verstärken Sie, wenn Sie folgendes beachten: Knüpfen Sie an dem an, was ihr Kind schon gut kann. Dann finden Sie heraus, womit sich ihr Kind gerne beschäftigt. Hier liegen (manchmal etwas versteckt) seine Lernwünsche und Lernziele. Sie erreichen Ihr Kind am besten, wenn sie auf seine Fähigkeiten zurückgreifen und diese einsetzen können. Machen Sie sich alle Begabungen, Talente und Fähigkeiten Ihres Kindes bewusst. Verknüpfen Sie diese Fähigkeiten mit leicht dosierten Anforderungen in Bezug auf Lesen oder Schreiben.  PDF: Wo können die Stärken des Kindes liegen?

 

Vorlesen und zum Lesen wandern

Vorlesen schafft eine Brücke zwischen Eltern und Kind. Orientieren Sie sich bei der Buchauswahl an den Interessen des Kindes. Zehn Minuten Vorlesen als abendliches Zu-Bett-geh-Ritual entlasten Kind und Eltern vom Tagesstress. Ein steiler Berg, oben eine schöne Aussicht. Ihr Kinder nehmt den kürzesten Weg – einfach rauf, die direkte Linie, auf allen Vieren. "Kommt hier rauf", ruft ihr den Eltern oder dem Lehrer zu, "einfach mir nach." Die Erwachsenen lachen:
"Nö, das geht nicht, das kann ich nicht."
Oder: "So gelenkig bin ich nicht wie du."
Oder: "Ich habe nicht die Kraft in den Armen und Beinen."
"Da geht mir schnell die Puste aus."
"Da habe ich nicht die richtigen Schuhe dafür."
"Mein Herz, mein Herz ..." Manche Erwachsenen sind superschlau, sie rufen zu euch hoch: "Der Weg ist das Ziel!" Und während ihr schon von oben hinunter schaut, gehen die "Großen" im Zick-Zack langsam herauf. Sie wollen sich nicht überanstrengen. Sie nehmen den längeren Weg, denn der ist dann viel weniger steil. Und so ist es auch mit dem Weg zum Lesen. Lurs bringt Eltern und Lehrer oft dazu, den Weg zum Lesen steil, oft sehr steil und manchmal zu steil zu machen. Da tun sich einige Kinder dann schwer oder sogar sehr, sehr schwer. Und Abstürze gibt es auch. Viele von euch Kindern brauchen einen weniger steilen "Zick-Zack-Weg" und mehr Zeit. Und irgendwann seid auch ihr am Ziel. Wenn die Erwachsenen aber mit euch ungeduldig werden, lacht sie an und sagt superschlau: "Der Weg ist das Ziel."

 

Was kann man tun?